Klar denken statt Querdenken.


 

Ich freue mich, dass ich mit dieser Kolumne einen sehr kompetenten Beitrag zu Covid 19 beitragen kann!

 

Liebe Leser von Uli’s Kolumne!

 

Uli Lochar und ich sind seit Kindesbeinen miteinander befreundet. Wir sind zusammen in Schönau aufgewachsen und pflegen bis heute einen regen Kontakt. Bei einem unserer Telefonate kamen wir natürlich auch auf das Thema „Corona“ zu sprechen.

Da ich beruflich einige Jahre in Taiwan lebte und auch heute noch gute Verbindungen zu ehemaligen Kollegen in der Volksrepublik habe, erwähnte ich in unserem Gespräch, wie gut Taiwan bis jetzt die Corona-Pandemie gemeistert hat.

Daraufhin bat mich Uli, in seiner Kolumne meine Erfahrungen und Einschätzungen zu dieser Tatsache darzulegen. Und dieser Bitte folge ich natürlich gerne.

 

Warum nicht mal was von anderen lernen.

Die Corona-Pandemie ist zur Zeit in aller Munde und beschäftigt uns weltweit. Die verschiedenen Länder haben unterschiedliche Konzepte der Bekämpfung dieser Virus-Erkrankung. Manche kommen damit besser klar, andere schlechter.

Ich denke, wir in Deutschland können relativ zufrieden sein, unser Gesundheitssystem ist noch nicht überlastet und die Bevölkerung hält sich, von Ausnahmen abgesehen, an die Vorgaben. Aber wir haben doch täglich eine hohe und immer noch steigende Anzahl von Neu-Infektionen und Toten zu beklagen.

Da mag es sich doch lohnen, einmal einen Blick auf andere Länder zu werfen, die bis jetzt besser als wir durch die Pandemie gekommen sind und zu fragen, warum sie das so gut geschafft haben.

 

Vor vielen Jahren waren meine Frau und ich für einige Zeit beruflich in Taiwan tätig. Während unseres Aufenthaltes brach in ganz Südost-Asien und auch in Taiwan die SARS-Epidemie aus. SARS ist ebenfalls eine Virus-Infektion der Atemwege, allerdings waren damals weit weniger Menschen betroffen und auch die Sterblichkeit war bedeutend geringer als bei der jetzigen Corona-Pandemie.

 

Alle Bewohner und auch die politisch Verantwortlichen waren geschockt, verunsichert und wussten nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollten. Langsam und etwas hilflos wurden die ersten Maßnahmen eingeleitet. Es wurde empfohlen, bei Besprechungen Mund-Nasen-Schutzmasken zu tragen, aber auch in Taiwan waren damals, im Jahre 2002, nicht genügend Masken vorhanden. Bei unseren Besuchen zu Hause haben wir Masken aus Deutschland mit nach Taiwan genommen. Der Flugverkehr wurde nicht eingeschränkt, aber an den Flughäfen wurden Fieber-Sensoren aufgestellt, welche bei allen Passagieren die Körpertemperatur gemessen haben. Hatte jemand Fieber, wurde er abgesondert und noch einmal von einem Arzt untersucht. Bestätigte sich nach dessen Meinung der SARS-Verdacht, wurde die betroffene Person in ein Krankenhaus eingeliefert, zusammen mit anderen SARS-Infizierten.

Unsere große Angst war damals, dass wir versehentlich in ein solches Krankenhaus kommen würden und dann durch den Kontakt mit Infizierten die Krankheit tatsächlich bekämen.

 

Unsere Firma sicherte uns damals zu, dass jeder Mitarbeiter, ohne Nachteile befürchten zu müssen, sofort nach Hause fliegen könne. Weiter wurde uns zugesichert, dass jeder Mitarbeiter bei einer eventuellen Infektion mit einer Privat-Maschine sofort nach Hause, nach Deutschland, gebracht werden würde. Das hat uns damals sehr beruhigt, keiner ist ausgeflogen und die Privat-Maschine wurde Gott sei Dank, auch nicht gebraucht.

Beim Betreten von öffentlichen Gebäuden, Supermärkten und Wohnblocks wurde jedem Besucher die Körpertemperatur im Ohr gemessen. Die Pförtner, die schon immer an den entsprechenden Eingängen saßen, nahmen diese Messungen vor, sie waren nicht geschult und konnten mit den Messgeräten nicht sachgerecht umgehen. Oft war die ganze Prozedur auch unhygienisch, da die Papierkappen auf den Messdüsen nicht bei jedem Besucher gewechselt wurden. Das alles wirkte ein bisschen hilflos, man tat es, um etwas zu tun.

Des Weiteren wurde empfohlen, auf die Hygiene zu achten und nach dem Toilettengang die Hände zu waschen. Über den Waschbecken der Toiletten wurden Anleitungen angebracht, wie man die Hände richtig wäscht, ähnlich wie dies heute bei uns auch gehandhabt wird.

 

Wir haben damals ein bisschen gelächelt, so in der Art: „Na, wissen denn die Taiwanesen nicht, wie man sich die Hände wäscht? Bei uns lernt das schon jedes Kind!“

 

Als der Sommer kam, verflog der SARS-Virus und ist bis heute nicht mehr in gefährlicher Art aufgetreten.

 

Mit dem Corona-Virus beschäftigen wir uns seit einem knappen Jahr. Seinen Anfang nahm dieser Virus, wie auch der SARS-Virus vor 18 Jahren, in China. Taiwan ist eine Insel und liegt direkt östlich neben dem chinesischen Festland. Taiwan wäre also prädestiniert, unvermittelt und stark, wie damals von dem SARS-Virus, betroffen zu sein.

 

Vor wenigen Wochen traf ich bei einer Projektbesprechung überraschenderweise einen alten Kollegen von meiner damaligen Zeit in Taiwan. Wir gingen abends zusammen Essen und sprachen über die alten Zeiten. Dieser Kollege ist Deutscher, ist verheiratet mit einer Taiwanerin und lebt in Taiwan. Natürlich kamen wir auch auf Corona zu sprechen. Er erzählte mir, dass Taiwan aus der damaligen SARS-Krise enorm viel gelernt habe und deshalb die jetzige Corona-Krise sehr gut meistere.

 

Er nannte mir ein Beispiel: Wenige Wochen vor unserem Gespräch flog er von Deutschland zurück nach Taiwan. Nach seiner Ankunft musste er sich sofort in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Nach wenigen Tagen verließ er sein Haus, um einkaufen zu gehen. Unmittelbar nach dem Verlassen seines Hauses erhielt er einen Anruf auf seinem Handy vom taiwanesischen Gesundheitsamtes. Ein Mitarbeiter erkundigte sich, aus welchem Grund er gerade sein Haus verlassen habe. Mein Kollege erklärte dem Anrufer, er wolle in ein Lebensmittelgeschäft um etwas einzukaufen, in spätestens einer halben Stunde sei er wieder zu Hause, was er natürlich dann auch tat.

 

Das Erstaunliche war für meinen Kollegen, dass die Behörden sofort darüber informiert waren, dass er sein Haus verlassen hatte und dies auch sofort verfolgten.

Bei uns ist so eine genaue Überwachung sicher schwer durchsetzbar, aber in Taiwan hat sie mit dazu beigetragen, die Zahlen der Corona-Infizierten und Toten gering zu halten.

 

Ich habe die Fallzahlen in Worldometer gerade nochmal nachgesehen, sie sind aktuell, Stand Ende November 2020:

 

  Deutschland Taiwan
Einwohner 83 Mio. 23 Mio
Corona-Fälle 1.000.000 700
Todesfälle wegen/mit Corona 16.000 7

 

 

Der gewaltige Unterschied der Zahlen überrascht, vor Allem wenn man an die räumliche Nähe Taiwans zu China denkt. Natürlich muss berücksichtigt werden, dass Taiwan als Insel leichter zu schützen ist als ein Land mitten in Europa.

 

Wie hat Taiwan es geschafft, die Zahlen so niedrig zu halten:

–        von Anfang an waren genügend Masken für alle vorhanden

–        strikte Einreisesperre ins Land für alle Nicht-Taiwanesen bzw. Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung

–        alle Einreisenden, egal aus welchem Land sie einreisen, müssen in eine 2-wöchige Quarantäne

–        genaueste Überwachung der Quarantäne

–        hohe Strafen bei Nichteinhaltung der Vorschriften

–        mit einer Bevölkerung, die ohne große Diskussionen notwendigen Anordnungen der Gesundheitsämter Folge leistet

 

Schon Ende 2019, als von einer Pandemie noch keine Rede war, wurden Personen aus dem Großraum Wuhan die Einreise verweigert.

 

Das öffentliche Leben wurde nur wenig eingeschränkt und die Wirtschaft hat vergleichsweise wenig gelitten.

 

Ich denke, wir hätten von Taiwan einiges lernen können, wie man mit einfachen, aber konsequent umgesetzten Mitteln eine Pandemie wirkungsvoll bekämpft.

 

Auch Taiwan ist eine Demokratie, aber dort spricht keiner darüber, dass seine Menschenrechte durch diese Maßnahmen auf das Massivste eingeschränkt wären. Es ist auch ein Menschenrecht, gesund leben zu können, ohne von anderen angesteckt zu werden. Ich denke, wir sollten vorsichtig sein mit unpassenden Vergleichen, wir leben in Deutschland in einer der freiesten Gesellschaften auf diesem Globus und Diskussionen darüber, dass wir uns wegen unserer Corona-Maßnahmen bzw. kleiner Einschränkungen der Versammlungsfreiheit auf dem Weg in eine Diktatur befänden, sind gänzlich unangebracht.

 

Da halte ich es lieber mit dem Slogan, der an einem Haus in Ludwigsburg angebracht war:

 

Klar denken statt Querdenken.

 

In diesem Sinne, kommen Sie gut durch diese Zeit und bleiben Sie gesund.

 

Hermann Steiger  Ludwigsburg

 

Ich möchte mich bei meinem Freund Hermann Steiger für diese sehr kompetente Kolumne für meine Internetseite bedanken.

Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich dadurch sehr fachlich und sachlich zur Diskussion über die Corona Pandemie etwas beitragen kann.

Hermann und ich sind seit über 50 Jahren freundschaftlich verbunden und wir sind stolz darauf, dass wir seit dieser Zeit dem

Sternenclub Schönau n.e.V. angehören.

 



© Hans Ulrich Lochar 2021