Einfach nur danke!


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„Das war’s“ könnte man sagen, aber  ich habe keine Lust, einfach nur so Adieu zu sagen.

 

Etwas traurig habe ich gestern am 27.Oktober 2020 meinen letzten Besuch der Metzgerei Graß in Schönau in der Talstraße abgestattet.

 

Sie schließt am Samstag den  31. Oktober 2020.

 

Ich konnte es ja nicht glauben, als mir vor ca. 3 Wochen eine Freundin aus Schönau ein Informationsblatt  zugesandt hat, dass die Metzgerei Graß in meiner Heimat Schönau im Wiesental schließt.

 

Für mich war die Metzgerei Graß in Schönau immer ein Besuch wert und dies lag nicht zuletzt an den Inhabern Hebbi und Gabi Graß, die immer ein nettes Wort für den Ex – Schönauer übrig hatten un mit ihm un sire Frau au gern e „Schwätzli“ ghalte hen.

 

Was mach ich jetzt bloß ohne Hebbis Serbele. Diese legendären Würste habe ich schon unter dem Vorgänger Max Gutmann als Kind sehr gerne gegessen und dies hat sich auch nach meinem Abschied von Schönau fortgesetzt. Der Hebbi  hat nämlich die Serbele genauso gut gemacht wie der Max und deshalb war der Gang zu ihm bei einem Schönauer Besuch für uns obligatorisch.

 

Auch als sich mein Wurstkonsum erheblich verringert hat, habe ich an Hebbis Serbele festgehalten und sie mir als lukullischen Luxus immer wieder mal gegönnt.

 

Es war halt für mich eine besondere Wurst und auch eine besondere Serbele. Diesen Ausdruck kenne ich eigentlich nur von Schönau und der Zeller Hebbi hatte mit dem Begriff Serbele seine Schwierigkeiten als er mit seinen Eltern vor über 30 Jahren nach Schönau kam und die Metzgerei Gutmann übernommen hat.

 

Ich meine mich erinnern zu können, dass ich ihm gesagt habe, also in Schönau musst Du „Serbele“ sagen und nicht Servelat, sonst hast Du gleich verloren.

 

Der Hebbi hat irgendwann die nette Gabi aus Aitern geheiratet und dann haben die zwei zusammen mit Hebbis Mutter und sehr netten Mitarbeiterinnen so richtig Gas gegeben, wie man bei uns im Volksmund sagt.

 

Bei vielen Besuchen durfte ich Freunden und Bekannten von mir Hebbis Serbele vorstellen und natürlich haben diese dann teilweise eine Reise durch ganz Deutschland zurückgelegt, um an diese Würste zu kommen.

 

Beim 40sten Geburtstag unserer Tochter Sabine im Münsterland haben wir die Gäste mit Wurstspezialitäten aus Hebbis Wurstküche und seinem fantastischen Schwarzwälder Speck erfreut.

 

Der Speck von Hebbi, von meiner Hand, streichholzdünn geschnitten, hat den Münsterländern ein geschmackliches Lächeln auf ihr Antlitz gezaubert.

 

Meine Stammtischbrüder aus Villingen reden immer wieder mal von den Wurstspezialitäten aus Schönau. Ich habe sie mal auf die Spuren von Jogi Löw nach Schönau mitgenommen und dann haben wir zusammen mit meinen Schönauern Sternenbrüdern bei Pit Löw, dem Bruder von Jogi, in der Vereinsgaststätte am „Jogi- Löw-Stadion“ diese genossen.

Sie haben uns die Grundlage für einen unvergesslichen Nachmittag – Abend geschaffen.

 

Ich bin überzeugt davon, dass viele der Metzgerei Graß in Schönau nachheulen werden, vor allem auch deshalb, weil es dort so richtig „gmenschelet“ hat.  Man hat dort nicht nur eingekauft, sondern man wurde auch bestens bedient.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch an die Verkäuferin Ingrid Asal erinnern, die bestimmt 30 Jahre in der Metzgerei Graß mit großem Fleiß und einer in sich gekehrten netten Höflichkeit für die Kunden da war.

Sie ist leider in diesem Jahr nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben, wie auch die nette Mutter von Hebbi, die bis kurz vor ihrem Tod auch in der Metzgerei geholfen hat und nicht nur in Schönau sehr beliebt war.

 

Vermutlich haben diese beiden Todesfälle, Gabi und Hebbi zum Nachdenken gebracht und da ihre Kinder völlig andere Berufe ergriffen haben, sind sie zu der Erkenntnis gekommen, noch mal etwas Neues anzufangen.

 

Schade, kann ich da nur sagen und vielen Dank für viele Serbele – und Speck – Genüsse und an ihn und seine Gabi für nette „Schwätzli“ die wir miteinander geführt haben.

Ich hoffe natürlich für Schönau, dass es irgendwie in der Metzgerei Graß weitergeht und sie einen Nachfolger finden und dieser den jungen Meister aus Fröhnd, der bei Hebbi  tägig war, weiter beschäftigen kann. Dann habe ich vielleicht doch wieder eine Chance „Hebbis Serbele“ weiterhin zu bekommen.

Jetzt wünsche ich Gabi und Hebbi alles Gute für die Zukunft.

 

Genießt es mal, mehr Freizeit zu haben und viel Glück für die ganze Familie Graß.

Ihr werdet uns fehlen!

 

Mein Dank gilt auch meinem Sternenbruder und Freund Wolfgang Lais und seiner lieben Frau Ilona, die mich immer wieder mal mit Schönauer Serbele versorgt haben.

 

Uli Lochar



© Hans Ulrich Lochar 2020