Geschlossen – Geöffnet ?


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Das waren noch Zeiten als wir Ende des letzten Jahrhunderts noch für meinen kulinarischen Begleiter – Essen und Trinken im Südlichen Schwarzwald – auf Reisen gegangen sind.

 

Meine Intention war damals schon, den Gaststätten mit meinen positiven Ausführungen Gäste zu bringen. Ich wollte nur positiv berichten, damit die Leser des Führers wissen, wo sie im südlichen Schwarzwald hin können.

Kritisieren können andere, habe ich mir gesagt und ich fand es auch nicht gut, dass ich als Fachlehrer der Landesberufsschule VS – Villingen die heimischen Betriebe kritisiere.

 

Wir hatten andere Tricks wie man jemanden nicht berücksichtigen konnte. Meine Frau ging zuerst voraus, um ein Prospekt zu holen und wenn sie rauskam und gesagt hat, Mensch waren die zickig sind wir sofort weiter gefahren.

 

Ich konnte mir damals noch den absoluten Luxus leisten, auf Betriebe, die z.B. Badische Pizza angeboten haben völlig zu verzichten und selbst, wenn jemand Cordon bleu vom Schwein angeboten hat, war eine Empfehlung eigentlich unter meiner Würde.

 

Die Zeiten haben sich gewaltig geändert auch in meiner herrlichen Heimat dem Südlichen Schwarzwald.

 

Heute muss ich an vielen Orten schon froh sein, wenn ein Großbäcker eine Filiale im Ort betreibt und mittags eine aufgebackene Pizza anbietet und von wegen Cordon bleu vom Kalb. Die Illusion wurde mir  schon lange geraubt. Vom Tönnies – Schwein, von der Pute, vom Geflügel und was weiß ich was wird dieser Klassiker angeboten  aber vom Kalb wie es sich eigentlich gehört, machen es nur noch wenige.

 

Schade, dass solche kulinarischen Werte verloren gehen, aber die Masse Mensch isst ja auch lieber Fast Food und lässt sich durch Food Trucks verköstigen.

 

Wir verlieren in unserem herrlichen Schwarzwald immer mehr an heimischen Gaststätten.

Zu meinem Entsetzen ist jetzt auch der Auerhahn in Aitern – Rollsbach im Belchenland nur noch für Hausgäste geöffnet. Geradezu verheerend ist dies für die Gegend um Wieden – Schönau, weil der Auerhahn in Rollsbach als Zwischenziel auf Wanderetappen  sehr willkommen war.

Jetzt muss man zwischen Wieden und Schönau schon fast verdursten, wenn man über Rollsbach, Aitern nach Schönau kommt und da kann man froh sein, wenn der „Hoasen“ in Schönenbuchen geöffnet hat und man etwas zu trinken bekommt und  eine Chinesische Ente zum Essen, die Gott sei Dank nicht mal schlecht ist.

 

Inzwischen ist es ja so, dass man mit Wohlwollen auf Kebapläden schaut, damit man z.B. in Unterkirnach – einem netten Touristikort – bei Villingen an manchen Tagen wenigsten das mittags anbieten kann.

 

Aber es gibt Lichtblicke!

 

Mit großer Freude habe ich gestern einen Artikel über die Sonne – Post in Waldau gelesen. Es geht dort in der 150jährigen Tradition der Familie Wehrle weiter. Die Tochter heißt zwar jetzt Eiche, aber das ist halt so, wenn man heiratet und den Namen des Mannes annimmt.

 

Dies ist aber den vielen Gästen, die die Sonne – Post und ihre Gastlichkeit mögen vermutlich völlig egal. Hauptsache es geht weiter in diesem schönen Haus in Waldau und ich zweifle keinen Moment daran, dass Yvonne und Thomas Eiche sich mit ihren Mitarbeitern die größte Mühe geben.

 

Ich bin auch beruhigt, weil der Papa Wehrle zu mir mal gesagt hat, Sie sind auch Schuld daran, dass meine Tochter auf der Hotelfachschule in Thun einen Schweizer kennengelernt hat.

 

Durch die Bekanntschaft zum Schulleiter Christoph Rohn von der Hotelfachschule Thun und mir kam es zu einigen Vorstellungen der weiterführenden Hotelfachschule Thun an der Landesberufsschule in Villingen und nach einem dieser Vorträge hat sich damals Yvonne Wehrle dazu entschieden die Thuner Schule zu besuchen.

Da begegnete ihr dann „der Eiche“ aus Basel und weg war sie für den heimischen Betrieb.

 

Jetzt bin ich natürlich froh, dass alles zu einem guten Ende kam und es in Waldau in der Sonne – Post weiter geht.

 

Im Moment schaue ich in meinem kulinarischen Begleiter von der 2. Auflage von 2001 auf der Seite 267 meine Bemerkungen über die Sonne – Post in Waldau an.

Ich bin überzeugt davon, dass man auch in Zukunft viel Positives von der Sonne – Post hören wird und wünsche den Familien Eiche – Wehrle alles Gute.

 

Ja, ich habe meinen kulinarischen Begleiter von damals auch heute immer noch im Auto dabei und leider erschrecken wir oft, wenn wir wieder mal feststellen, dass eine  typische Schwarzwälder Wirtschaft, die wir empfohlen haben, geschlossen hat.

 

Seit Jahren sage ich ja, mit jeder heimischen Gaststätte, die zumacht, stirbt ein Stück Kultur.



© Hans Ulrich Lochar 2020