Altersbedingt ………..


 

Menschenskind man wird älter muss ich immer wieder mal feststellen.

 

Früher hat meine liebe Mutter zu mir immer gesagt – Du denkst noch mal an mich, wenn Du älter bist.

Sie hat recht, ich denke oft an sie, wenn ich z.B. Angst um meine Familie habe.

 

Wenn wir früher in Urlaub gefahren sind, war meine betagte Mutter immer besorgt, bis wir wieder zu Hause waren.

Heute geht es mir genauso, wenn unsere Tochter mit ihrer Familie verreist. Man macht sich einfach mehr Sorgen als früher, obwohl ich  oft an den Spruch von Oscar Wilde denken muss:

 

Ich habe mir in meinem Leben viel zu viel Sorgen gemacht – die meisten waren unnötig.

 

Ich ertappe mich auch dabei, dass ich manchmal an Namen herum studiere, was bei manchen auch so eine typische Alterserscheinung ist.

 

Natürlich hoffe ich, dass  dies eigentlich ganz normale Erscheinungen sind, die halt im Alter immer wieder mal vorkommen können.

 

Ich habe mir auch angewöhnt, nur noch das zu machen, zu was ich Lust habe.

Ideal ist natürlich, dass meine liebe Frau und ich in vielem auf derselben Wellenlänge liegen.

 

Die Coronazeit haben wir in unserer „Einsamkeit“ sehr gut überstanden, weil wir uns mit den verschiedensten Dingen befasst haben.

Mehrmals wöchentlich gehört bei uns das Romméspiel  zu zweit dazu und das gefällt uns sicher besser als irgendeinen Schrott im Fernsehen anzuschauen.

 

Sender wie Phönix, Arte und 3Sat haben bei uns plötzlich einen viel höheren Stellenwert als früher.

 

Geradezu begeistert bin ich davon, was ich im Internet alles dazulernen kann.

Da liest man, dass Poseidon und Neptun z.B. das gleiche sind und man kann in Sekunden nachschauen, was die zwei Namen wirklich bedeuten.

Mich freut es persönlich, wenn ich danach weiß, dass der Römische Gott Neptun dem griechischen Wassergott  Poseidon entspricht.

 

Dies behalte ich aber für mich, weil ich bei weiteren Nachfragen passen müsste.

 

Manchmal schwindle ich auch ein Bisschen.

 

Da habe ich doch tatsächlich einen Anruf bekommen, ob ich bei meinen Aktivitäten nicht Lust hätte ein Beratungsbüro aufzumachen.

Dieses Ansinnen habe ich sofort mit dem Hinweis abgelehnt, dass ich mich inzwischen sehr mit der modernen Kunst beschäftige und darin regelrecht aufgehe.

 

Stunke un Verloge würde man auf alemannisch sagen, aber ganz ehrlich höre ich gerne jemanden zu, der von Kunst eine Ahnung hat und mir dies in einfachen Worten vermitteln kann.

 

Leider bin ich für hochgeistige Gespräche nicht geschaffen und leider kann ich auch nicht  alles lesen was ich möchte.

 

Ein sehr guter Freund von mir hat mir zu meinem 50sten Geburtstag eine Sammlung von Shakespeares Werken geschenkt.

Ich gebe zu, dass ich sie bis heute nicht gelesen habe.

Der Gute muss gedacht haben, dass ich ein schlauer Kopf sein muss.

 

Dies mag vielleicht ab und zu beruflich gestimmt haben, aber sonst – da fehlt noch sehr viel.

 

Vielleicht fühlt sich durch diese Zeilen ja jemand inspiriert mir das Lesen von Shakespeare beizubringen.

 

Deshalb kann ich die These – man lernt nie aus – nur bestätigen.

 

Ich freue mich jeden Tag darüber etwas dazu zu lernen und dies füllt mich eigentlich vollkommen aus.

 

Es freut mich auch, dass ich inzwischen vollkommen akzeptiere, dass ein Mensch wie ich nicht alles wissen kann.

 

Eine wunderbare Erkenntnis im Alter, die mich vollkommen zufrieden stellt.

 

 

 



© Hans Ulrich Lochar 2020