Catering – Fluch oder Segen.


 

Mir fällt immer mehr auf, dass sich viele Gastronomen und Hoteliers im sogenannten Catering Bereich bewegen.

Sie beliefern irgendwelche Veranstaltungen außerhalb ihres Hauses.

Warum??? frage ich mich da und komme auf verschiedene Antworten.

 

Ein Gastronom hat zu mir gesagt, beim Catering verdiene ich wenigstens noch etwas.

 

Teilweise kann ich es verstehen, ich habe aber auch Zweifel.

 

Wieviel Material und Zubehör ist nötig, um ein vernünftiges Catering machen zu können – mit Sicherheit eine große Investition.

 

Sicher ist jeder Gastronom auf feste Einnahmen angewiesen und eine feste Einnahme ist für mich ein festgelegtes Essen zu einem bestimmten Preis und für eine bestimmte Personenzahl.

 

Kann dieses Essen aber nicht in den Räumen, die einem gehören, stattfinden?

 

Muss es in einem Saal stattfinden, der z.B. von den Kirchen oder Vereinen zur Verfügung gestellt wird oder sogar von Städten und Gemeinden.

Mir wird darauf dann geantwortet, dass man gar keine Räumlichkeiten für größere Personenzahlen hat.

 

Eine größere Veranstaltung zu planen und zu beliefern erfordert sehr viel Einsatz, Kraft, Zeit und mit Sicherheit auch Stress und Ärger.

Ich kenne einige Gastronomen, deren Können ich sehr schätze und deren Betriebe ich auch immer wieder gerne mal aufsuche.

 

Bei manchen ist es inzwischen so, dass sie ihre Öffnungszeiten wegen eventueller Caterings geändert haben.

 

Es muss ja alles vorbereitet und geliefert werden und deshalb wird mittags zugemacht und öfters liest man dann abends auch, wenn man unangemeldet  zu einer Gaststätte kommt, heute wegen einer größeren Veranstaltung geschlossen.

 

Neulich hat mir ein Gast auch erzählt, dass er mit mehreren Personen eine Gaststätte aufgesucht hat, die für ihr sehr gutes Essen und den flotten Service bekannt ist.

 

Der flotte Service wird aber nicht mehr gewährleistet, wenn zwischendurch ein Catering stattfindet, das beliefert werden soll.

 

Ich bin am Überlegen, ob ich den Gastronomen darauf ansprechen soll, gebe aber meiner Frau recht, wenn sie zu mir sagt, dass dies mich nichts angeht.

 

Es ist leider so, dass der angesprochene Gastwirt mir vermutlich sagen wird, dass er aus finanziellen Gründen einfach gezwungen ist Caterings – Extras zu beliefern.

 

Ich kann dies nachvollziehen, weil ich weiß, dass tatsächlich am Essen nicht mehr viel verdient wird.

 

Ein Bekannter von mir hat mit mir über das Problem des Gastronomen auch diskutiert und spontan gesagt, Menschenskind, der ist ein so guter Koch, dass es keine Rolle spielen würde, wenn er pro Gericht 3,- € mehr verlangt.

 

Dies wage ich zu bezweifeln, weil eben nicht die ganze Kundschaft dafür Verständnis hätte, ich hoffe, dass immer mehr Gäste zu der Überzeugung kommen, dass Qualität eben auch etwas kostet.

 

Zwischen Catering und Catering liegen natürlich auch Welten. Auch hier ist die Qualität und die Frische der Grundprodukte entscheidend und auch da gilt, Qualität hat seinen Preis.

 

Ich persönlich mag einen Aufenthalt in einer Gaststätte lieber, als in irgendeinem größeren Saal und außerdem bin ich ein Freund des warmen Essens und da habe ich schon erlebt, dass es beim Catering nicht mehr so warm war, wie ich es mir wünsche.

 

Sicher ist für viele beim Catering auch der Service ein Problem. Mir gefällt es, wenn z.B. Familienmitglieder die Tafel eindecken und ich schaue mit Sicherheit nicht, ob das jetzt fachlich richtig ist oder nicht.

Ich bin als Gast geladen und da gehört es sich einfach nicht den Großen zu spielen und an irgendetwas Kritik zu üben.

 

Neulich hat mir eine Tochter eines guten Bekannten gesagt, dass ihr Vater eine frühere Schülerin von mir mit ihrer Mannschaft für den Service zu seinem 70sten Geburtstag engagiert hätte.

 

Als die Mannschaft eintraf hat sich die Serviceleiterin erst mal hingestellt und laut und deutlich, die von der Familie mit großem Eifer eingedeckte Tafel, kritisiert.

Meiner Bekannten ist daraufhin die Lust am Feiern vergangen und ich habe zu ihr gesagt, dass ich die Kritikerin sofort nach Hause geschickt hätte.

 

So etwas gehört sich einfach nicht, auch wenn man meint, man hätte die fachliche Weisheit mit Löffeln gefressen.

 

Für ein gutes Catering ist Arbeit ohne Ende angesagt bis alles steht und wieder richtig entsorgt ist –   es ist schlicht und einfach ein Knochenjob und ihr könnt mir glauben, dass ich weiß von was ich rede.

Wo liegt also die Lösung. Da ist eine Antwort sehr schwierig.

Ich wünsche mir, dass viele zu der Erkenntnis kommen, dass es am Ende nicht günstiger ist, z.B. in einem Vereinsheim eine private Feier zu veranstalten, als in der Gastronomie.

 

Wenn gastronomische Betriebe immer mehr mittags schließen oder auch abends wegen einem Catering nicht geöffnet haben, leiden die Stammgäste und auch die Touristen der Region darunter und das ist wirklich nicht gut.

 

Ich freue mich, dass ich jetzt zu einer Familienfeier aufbrechen kann, die in einem gastronomischen Betrieb stattfindet.

 

 

 

 



© Hans Ulrich Lochar 2020