Vom Kellner zum Fachlehrer!


Gelernter Kellner

 

Ich bin gelernter Kellner, wenn auch nur auf dem 2. Bildungsweg über einen Kurs der IHK an der Landesberufsschule in Villingen.

 

Zuerst habe ich in einem Parfümerie – Kosmetiksalon Einzelhandelskaufmann gelernt – was man heute noch sieht – so habe ich es oft meinen Schülern gesagt.

 

Nach einem Kellnerpraktikum habe ich in einem Anfall von geistiger Umnachtung gemeint, ich müsste mich in meinem Heimatort Schönau selbstständig machen und habe dies mit gerade mal zwanzig Jahren getan – eigentlich unverantwortlich auch von denen, die mich dazu animiert haben.

Es waren zwei tolle Jahre, die ich vor allem deshalb in Erinnerung habe, weil ich mich an tolle Stunden erinnern kann. Erst neulich hat einer der ehemaligen Gäste zu mir gesagt:

Uli ich gebe Dir einen Tausender, wenn Du noch einmal ein Wochenende in der Kaiserklause aufmachst – natürlich war dies im Spaß gemeint.

 

Nach zwei Jahren habe ich gemerkt, dass ich genau so viele Schulden hatte, wie am Anfang, habe die Reißleine gezogen und bin als Kellner auf den Belchen ins Hotel Belchenhaus zu Familie Ritz gegangen.

 

Ein Sommer mit im Schnitt mindestens 10 Bussen am Tag haben mich schlanker werden lassen und die Schulden wurden auch weniger.

Ich wollte da auch mal ins Ausland gehen, aber die Bank lies mich nicht gehen.

 

Der Wiedener Eck – Wirt Egon Wissler hat mich dann zu sich auf das Wiedener Eck geholt und mir mit Rat und Tat geholfen und ich habe mich zum Oberkellner hochgearbeitet. Gott sei Dank habe ich da auch meine spätere Frau Marianne kennengelernt.

 

Wir haben geheiratet und während sie hochschwanger war, wurde ich krebskrank. Hautkrebs wurde in Freiburg in der Hautklinik diagnostiziert und ich wurde sehr gut von Professor Petres operiert, danach chemotherapeutisch wochenlang betreut und als mein fachlich hervorragender Nachfolger ( wurde mir gesagt) auf dem Wiedener Eck plötzlich ein Auto gestohlen hat und abgehauen ist, hat Egon Wissler zu mir gesagt, komm doch wenigstens ab und zu zur Aufsicht und wenn Du nur auf dem Stuhl sitzt und zuschaust.

 

Ich war natürlich sehr angeschlagen, aber es musste ja irgendwie weiter gehen und ich hatte auch durch die Geburt unserer Tochter Sabine einen großen Lebenswillen.

 

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich dank der Krebserkrankung meinen weiteren Weg aufgezeichnet bekam. Dem lieben Gott sei Dank.

 

Mein Gesundheitszustand ließ es aber zu, dass es immer mehr wurde mit der Tätigkeit und irgendwann war ich voll belastbar.

 

Immer wieder habe ich erlebt, dass die Auszubildenden von der Landesberufsschule in VS – Villingen zurück kamen und mir von dem Unterricht berichtet haben.

 

In meinem Kopf kam dann die Idee auf, den Kellner nachzumachen, weil ich mir auch davon etwas für die Zukunft versprochen hatte.

Durch die IHK Schwarzwald – Baar – Heuberg gab es damals die Gelegenheit für Leute, die schon lange im Beruf waren nach einer 6 wöchigen Schulzeit die Prüfung als Koch oder Kellner abzulegen.

Diesen so genannten 40/2 Kurs habe ich mit tollen Schulkameraden und netten Lehrern mitgemacht und irgendwann hat tatsächlich ein Lehrer zu mir gesagt, Mensch sie wären ein Lehrertyp.

 

Was muss ich dafür tun um Fachlehrer zu werden?

Den Serviermeister bei der IHK in Baden- Baden machen  war die Antwort und das hat mich so gereizt, dass ich mich sofort nach der Prüfung in Villingen für den Meisterkurs in Baden- Baden angemeldet habe.

 

Mit wiederum netten Mitschülern und ebensolchen Dozenten habe ich tatsächlich die Serviermeisterprüfung 1982 bestanden.

 

Kurz vor der Prüfung bekam ein Dozent einen Anruf von Klaus Dieter Wildpreth, dem damaligen stellvertretenden Schulleiter der Landesberufsschule VS – Villingen mit der Frage, ob einer der zukünftigen Serviermeister Lust hätte an der Landesberufsschule als Fachlehrer zu arbeiten.

 

Ich habe noch Kontakte nach Villingen gehabt und vor allem dank meinem späteren Kollegen Karl Windhaber und dem damaligen Personalratsmitglied und Lehrer von mir Wolfgang Lämmle, haben die mich tatsächlich genommen, obwohl ja die berufliche Laufbahn im Gaststättengewerbe nicht unbedingt berauschend war.

 

Ich habe dieses Entgegenkommen mit viel Engagement an der Landesberufsschule zurück bezahlt und durfte als Fachlehrer fast 30 Jahre einen Beruf ausüben, der mich fasziniert hat.

 

Junge Menschen auszubilden und wenn möglich zu begeistern, war für mich das „Größte“.

 

Eigentlich wollte ich etwas zu den heutigen Angeboten für junge Menschen in der Gastronomie schreiben, aber dies spare ich mir für später auf.

 

Uli Lochar



© Hans Ulrich Lochar 2019