Fasnächtliche Gedanken!


Und die Lust sie aufzuschreiben!

Das waren noch Zeiten, als ich in meiner Heimatstadt Schönau im Schwarzwald am Feiße Dunschdig in Talstroß gange bi.

Zu Hause hat mich meine Mutter fasnächtlich und weiblich angezogen und dank meiner Maske hat mich keiner erkannt.

Wochen vorher hatten wir schon einen längeren Stock ausgesucht und diesen mit einer Schnur bestückt an dem nur noch die „Saublodere“ fehlte.

Beim Metzger Gutmann hatten wir im Voraus eine bestellt, bin hinten zur Tür rein, habe mich dem Gutmann Max kurz zu erkennen gegeben und dann hat er mich mit eben dieser „Saublodere“ und einer geschenkten Serbele bestückt.

 

Ich habe die „Saublodere“ an meiner Schnur bzw. am Stock befestigt und bin vorne bei der Metzgerei raus und stand schon in der Talstraße.

 

Die Metzgerei gibt es übrigens heute noch allerdings unter dem Namen Graß und heute noch ist es für mich ein Hochgenuss dort meine geliebten Schönauer Serbele zu kaufen.

 

In der Talstraße habe  ich dann sofort die Verfolgung von einigen aufgenommen, die darauf gewartet haben bis die Fasnächtler mit de „Saublodere“  gekommen sind und von diesen Talstroß uff und ab gejagt wurden.

 

Meine Mutti hat mir immer eingeschärft mit der „Saublodere“ nicht fest zuzuschlagen und höchstens auf das Hinterteil eines Menschen zu zielen. Diesem Wunsch habe ich natürlich meistens entsprochen, weil ich ein nettes Närrli sein wollte.

 

Irgendwann bekam ich dann natürlich Hunger und die Frau Sprich Senior – eine wunderbare Frau – mit sehr nettem Gemüt von der Bäckerei Sprich, hat mir dann zur Serbele vom Gutmann Max no e Brötli gschenkt.

 

Also irgendwo ins Eck und Maske runter un die Serbele mit dem Weckli gegessen. Beim Schreiben der Zeilen läuft mir jetzt noch das Wasser im Munde zusammen. Herrlich war diese Jagerei mit der „Saublodere“ in der Talstraße in meiner Heimatstadt Schönau im Wiesental.

Vermutlich habe ich dabei auch dem heutigen Ehrenbürger Jogi Löw im Kinderwagen mit de „Saublodere“ etwas Angst gemacht.

 

Bei Beginn der Dunkelheit ging es dann in meiner Heimatstraße, der Wiedlegasse, weiter mit dem Hemdglunkiumzug. Wir, „die Wiedlegässler,“ waren damals etwas Besonderes, weil wir es jahrelang fertig gebracht haben, einen eigenen Hemdglunkiumzug auf die Beine zu stellen.

 

Unter heftigem Singsang sind wir alle in weißen Nachthemden und Zipfelmütze ausgestattet mit Lampions vom Lachebeck zum Steck Ernst gelaufen.

 

Viele Zuschauer haben den Weg des Umzugs begleitet und uns mit Süßigkeiten verwöhnt.

 

Unser Hauptlied war:

Bechtli Zapfe Röhre mit de lange Schnöre hesch e hufe Dreck am Bei Bechtli Zape dei, dei,dei.

Du bist verrückt mein Kind köre nach Berlin wo die Verrückten sind, da gehörst Du hin.

Du gehörst nach Lindenau, da ist der Himmel blau, da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau im Unterrock

und dann ging es wieder von vorne los

Bechtli Zapfe Röhre mit de lange Schnöre het e hufe……

 

Beim Steck Ernst angekommen war es für ihn eine Freude, den größeren von uns en Obstler einzuschenken un wenn es dann einer von uns e wenig gspürt het, hatte er die größte Freude.

Die Größeren von uns durften sich dann dem Hemdglunkiumzug der Narrenzunft Schönau anschließen, der bis zum heutigen Tag immer noch stattfindet.

 

Ob man in diesem Umzug noch jemanden mit einer „Saublodere“ sieht, entzieht sich meiner Kenntnis, weil ich schon einige Jahre nicht mehr am Feiße Dunschdig in Schönau war.

 

So lebt man als 70jähriger von seinen fasnächtlichen Erinnerungen und ich hoffe, dass außer mir noch andere am Lesen meiner fasnächtlichen Erinnerungen eine Freude haben.

 

In diesem Sinne wünsche ich eine scheene Fasnacht, eine glückselige Fasnet oder auch gerne einen schönen Fasching

 

Uli Lochar

 



© Hans Ulrich Lochar 2019