Manchmal frag ich mich schon


 

ob man im Alter etwas komisch wird. Ich hoffe es zwar nicht, aber ausschließen kann ich es natürlich auch nicht.

 

Ich selbst schreibe in einer Mail z.B. viel lieber in der Anrede liebe/er …..als Hallo. Jetzt kann ich aber sicher von niemandem verlangen, dass sie oder er das genau so empfinden muss wie ich.

 

Hallo ist auf jeden Fall besser als hi aber hi wiederum als Gruß ist besser als gar nichts.

 

Gestern Morgen ist mir in aller Frühe wieder ein Geschäftsmann in der Niederen Straße in Villingen begegnet, hat mich beim Öffnen seines Geschäftes zwar angeschaut, aber nicht im entferntesten daran gedacht Guten Morgen zu sagen.

Das veranlasst mich natürlich auf keinen Fall mein morgendliches Müsli bei dem Herrn zu kaufen, geschweige denn sonst irgendetwas „reformiges“.

 

Dem Herrn würde ich mal empfehlen zu Klaus Fehrenbach ins Café Villa zu gehen, da lernt er wie man mit Kunden bzw. Gästen umgehen soll. Klaus entgeht selten ein Neuankommender ohne Gruß und schon fühlt man sich bei ihm geborgen.

Seit neuestem trinke ich ab und zu bei ihm im Stehen an der Theke einen Espresso, weil ja oft alleTische belegt sind und außerdem hat mir mein Freund Marco aus dem Piemont gesagt, dass dies die richtigen Espresso – Trinker so machen würden und der muss es als Italiener ja wissen.

Jetzt habe ich aber etwas geschrieben. Er bezeichnet sich ja eher als Piemonteser und die haben ja ihren eigenen Stolz. Mit Sicherheit käme er nie auf die Idee in einer Werbung einen englischen Ausdruck wie z.B. save the date zu übernehmen, was ich neulich bei einer Werbung für eine Veranstaltung am Kaiserstuhl gesehen habe.

 

Da frage ich mich dann schon, ob ich zu blöde bin zu kapieren, dass Englisch eben die Weltsprache ist und am Kaiserstuhl viele Winzer in die Werbung einbauen. Mensch Lochar kapierst du nicht, dass man dort auf die internationale Kundschaft hofft und da es ja jetzt keine gemeinsame Badische Weinwerbung mehr gibt, versucht man sich mit englisch populär zu machen.

Ich warte jetzt nur darauf, dass bei meiner nächsten Kaiserstuhl – Wanderung mir ein alter Winzer ein „hi“ entgegen schmettert – dann bräuchte ich sofort ein Viertele!!

 

Ich besuche alle zwei Wochen eine englische Gesprächsrunde um etwas dazu zu lernen, aber auf die Idee „ denglisch“ in meinem Wortschatz unter zu bringen bin ich noch nie gekommen.

 

Ich gebe zu, dass ich ein Anhänger meines heimischen Wiesentäler Dialektes bin und auch in Villingen bin ich noch nie auf die Idee gekommen Villingerisch zu sprechen, weil ich es einfach nicht kann.

Da freue ich mich schon wieder, wenn an de Fasnet en Narro zu mir unter seiner Schemme auf Villingerisch versucht mir zu sagen: „Du meinsch doch au, Du muesch jede Tag e weng Schißdreck schriibe“, obwohl unter der Schemme vermutlich manchmal auch ein Preuß steckt.

 

Herrlich, wenn ich so etwas höre, weil ich dadurch weiß, dass es tatsächlich Leute gibt, die ab und zu auf meine Internetseite schauen.

 

Ich habe da auch ein Problem mit dem Wort „Homepage“ weil ich es auch für verdenglischt halte und weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie man eigentlich korrekt richtig dazu sagt.

 

Jetzt habe ich mich doch tatsächlich selbst erwischt, weil ich gedacht habe, da muss ich nachher doch gleich mal googeln.

Also, was rege ich mich über das verdenglischen auf, wenn es selbst schon in meinem Kopf Einzug gehalten hat.

 

Der Kopf wird natürlich im Alter immer wichtiger und ich hoffe, dass meine leidenschaftliche Teetrinkerei mir noch einige Jahre die Fähigkeit erhält, mich über dies oder das zu mokieren.

 

Vermutlich frage ich mich dann aber immer öfter, ob bei mir im oberen Stübchen noch alles in Ordnung ist, weil ich mit Sicherheit sprachlich noch mehr entdecke, was mir uff de Wecker got.

Ein Nachtrag! Gerade eben lese ich im neuesten WOM die große Überschrift:

Gesucht: Bad Dürrheims zukünftiger Mr. Right.

Große Podiumsdiskussion zur Bügermeisterwahl am 19. März – was soll man da noch sagen?



© Hans Ulrich Lochar 2019