Kreuzfahrt mit Mein Schiff 5 .


Kreuzfahrt !

 

Als ich meinen 60sten Geburtstag noch in größerem Rahmen gefeiert habe, habe ich damals schon gesagt, dass ich zukünftig die Geburtstage in Ruhe genießen will, obwohl ich sonst ja eigentlich ein geselliger Mensch bin.

 

Man wird halt älter und ehrlich gesagt, da freut mich jedes Jahr, das ich älter werde, und das möchte ich einfach in Ruhe genießen.

Jetzt stand also mein 70er an und nach langem und reiflichem Überlegen haben meine Frau und ich uns entschlossen eine Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer mit Mein Schiff 5 zu machen.

 

Dies kam daher, weil ein Bekannter zu mir gesagt hat, ich weiß was Du

 

gerne trinkst und wieviel Du trinkst und deshalb empfehle ich Dir mit

 

„ Mein Schiff“ zu fahren. Da regst Du dich auf jeden Fall nach Ende der Reise nicht über eventuelle Nachzahlungen auf.

 

Es würde sicher zu weit führen, wenn ich jetzt von Beginn der Reise bis zum Ende alles aufschreiben würde, was meine Frau und ich alles erlebt haben. Wie es auf einem Kreuzfahrtschiff zugeht kann man übrigens wunderbar auf Youtube ansehen.

 

Hinterher fragt man sich natürlich, ob man wieder mal eine Kreuzfahrt machen würde und da gibt es von uns ein uneingeschränktes ja.

Es ist einfach sehr schön, wenn man viel sehen und erleben kann und muss den Koffer nicht immer wieder ein – und auspacken.

Natürlich ist ein schönes Hotelzimmer größer als unsere Balkonkabine aber uns hat der Platz absolut gereicht.

 

Geradezu begeistert waren wir von den Menschen, die für diese Zimmer zuständig waren. Bei uns waren es welche aus dem asiatischen Raum und ich muss sagen, dass diese eine Freundlichkeit an sich hatten, die uns begeisterte.

 

Wenn man ihnen begegnet ist, war man sofort gut aufgelegt, weil sie einem mit ihrer Herzlichkeit einfach angesteckt haben.

Meine Frau war jeden Tag auf’s neue fasziniert, wenn sie die herrlichen Figuren sah, die die beiden Zimmerboys aus unseren Bettdecken gemacht haben. Mit einfachen Dingen eine Freude machen ist doch herrlich.

 

Ich könnte da überhaupt nicht mithalten, weil ich heute noch mit Schrecken an meine Kenntnisse in Bezug auf Servietten falten denke.

 

Natürlich habe ich die üblichen Serviettenformen gekonnt, aber meine Welt war es nie. Da hatte ich Kolleginnen und Kollegen, die weitaus besser waren.

Meine Welt war halt der Kontakt mit dem Gast und das war auf dem Schiff meistens sehr gut.

 

In den vielen Bars haben Leute aus mehreren Nationen gearbeitet, die fachlich alle was drauf hatten.

Einer hat mir mal einen klassischen Martini Cocktail geshaked und nicht gerührt. Daraufhin habe ich zu dem netten Herrn von den Philippinen gesagt, dass ich da früher als Prüfer Minuspunkte hätte geben müssen, weil der Martini klassisch ja gerührt wird.

Seine Antwort  – er macht es nach der James Bond Methode – geschüttelt und nicht gerührt und die passt einfach besser zu einem Schiff hat mir genauso gefallen, wie er geschmeckt hat – vorzüglich.

 

Ab und zu habe ich in einer Bar auch einen Tee von Eiles getrunken, der sehr gut serviert wurde, obwohl ich nicht verhehle, dass ich meinen Hanse Tee von Rainer Schmidt vermisst habe.

 

Die Vorstellung von den wichtigsten Leuten der Schiffsmannschaft am 1. Abend war total beeindruckend und ich habe mich zuerst wie in Österreich gefühlt, weil die ersten 3, die sich vorgestellt haben Österreicher waren – Küchenchef, Servicechef und Veranstaltungschef.

 

Zwischendurch kam dann die Kreuzfahrtdirektorin aus Thüringen mit der Aussage und ich erfülle hier die Frauenquote. Wir konnten übrigens die ganzen Tage feststellen, dass diese Frau ihren Job absolut beherrscht und auch sehr sympathisch wirkt.

 

Das Besondere an unserer Reise war auch noch, dass aus Urlaubsgründen ein Kapitänswechsel anstand. Beide griechischen Kapitäne habe die Deutsche Sprache perfekt beherrscht und vom ersten habe ich einen sehr schönen Glückwunsch  am Tage meines Geburtstages bekommen und der zweite hat einen sehr netten Humor bei seinen Durchsagen vermittelt – sein „Kapitän aus“ zum Schluss werden wir nie vergessen.

 

Mineralwasser oder Schnaps?

 

Es ist einfach beeindruckend was auf einem solchen Schiff logistisch geleistet wird.

 

Wenn ich mir vorstelle, wie die Jungs an den Tenderbooten gearbeitet haben, damit alle Passagiere an Land und zurück kamen bin ich heute noch begeistert. Die Tenderboote waren ja nur nötig, wenn Mein Schiff 5 wegen der Größe nicht am Hafen anlegen konnte.

 

Was den Hafen anbelangt wird uns ein Erlebnis natürlich besonders in Erinnerung bleiben.

 

Nach unserer Ankunft in Ajaccio auf Korsika haben wir zu Fuß ca. 2 Stunden die Stadt Napoleons erkundet und uns dann am Hafen zu einem Cappuccino auf die Terrasse eines Restaurants gesetzt.

Ein Berufskollege hat unsere Bestellung angenommen – 2 Cappucino und eine Flasche Mineralwasser und ein anderer hat es uns serviert.

 

Ich hatte Durst und wollte schon zu dem gut gefüllten Mineralwasserglas greifen als meine Frau gesagt hat, Mensch das ist ja Schnaps. Jetzt hat der uns doch tatsächlich in einer ein Liter Glasflasche reinen Schnaps hingestellt. Ich bin jetzt noch am Rätseln wie das möglich war.

 

Zu den Glanzzeiten mit meinen Freunden vom Sternenclub Schönau hätten meine Sternenbrüder sofort gesagt, halt Gosch, der wird gsoffe, aber in diesem Fall habe ich natürlich darauf aufmerksam gemacht und den Kellner am Glas riechen lassen. Vorher habe ich aber noch auf den Zettel geschaut, was das Wasser ( Schnaps) kostet 4,50.

 

Dem Kellner war es sichtlich peinlich und er hat uns sofort eine richtige Flasche Mineralwasser gebracht. Wenn ich mir vorstelle, dass ich normalerweise ein Glas Mineralwasser in einem Zug leeren kann bin ich heute noch dankbar, dass meine Frau zuerst probiert hat.

 

Das wäre ja was gewesen, ob ich Mein Schiff 5 jemals wieder gesehen hätte?

 

So kann es einem gehen, wenn man als seriöser 70er 2 Cappuccino und eine Flasche Mineralwasser bestellt.

 

Die Gastronomie auf mein Schiff 5

 

Nach solchen Ausflügen hat es uns dann meistens auf das Schiff zurück gezogen und wir haben dann auf Grund der Zeit im Büfettrestaurant Anckelmanns Patz einen Imbiss zu uns genommen. Dies war eigentlich sehr praktisch, weil man da den ganzen Tag die Gelegenheit hat etwas zu essen und zu trinken. Man muss das „Gewusele“ aber mögen. Toll ist es auch die Leute zu beobachten und dabei so manche neue kulinarische Entdeckung zu machen.

 

So wusste ich z.B. nicht, dass man Mousse au Chocolate durchaus zu geräuchertem Lachs und Bratheringen essen kann, aber wie schon öfters gesagt, man lernt ja nie aus. Auch soll  Weißwein vom Hahn mit einem Schuß Cola schmecken, natürlich besonders, wenn man eine Jogginghose und kurzes T- Shirt über der wohlgeformten Männerkugel trägt.

 

Zur Mode überhaupt war festzustellen, dass es keine Moderegeglungen auf dem Schiff gab, nur wurde Wert darauf gelegt, dass man zum Abendessen in den Menürestaurants mit langen Hosen erschien.

 

Dort war auch zu beobachten, dass die meisten Leute passend zur Umgebung angezogen waren. Nur einmal bin ich auf Deck 14 erschrocken, als ich nach einem Mittagsschläfchen im Liegstuhl einen 2-zentrigen Victoria Beckham- Verschnitt vor mir stehen sah. Sie hatte den unteren mittleren Teil des T – Shirts unter der Kugel in Rock oder Hose gesteckt – ein derart bezaubernder Anblick, dass ich ab sofort nie mehr in diese Richtung geschaut habe.

 

Im Büfettrestaurant war aber sonst das Angebot sehr gut, alles frisch und schön präsentiert und ließ keine Wünsche offen. Nur ein einziges Mal war ich regelrecht enttäuscht, als ich Pangasiusfilet im Angebot sah und da bin ich einfach der Meinung, dass auf einer Mittelmeerkreuzfahrt dieser nach nichts schmeckende Zuchtfisch aus Vietnam nicht passt.

 

Ich habe dies auch zu dem Executive Maitre d’Hotel Messiah Ritzinger gesagt. Eine imponierende Persönlichkeit der mit seinen Augen überall war und in sämtlichen Restaurants eine große Ruhe ausgestrahlt hat. Auf meine Frage, ob er Österreicher ist, hat er mir schmunzelnd gesagt, dass er aus dem schönen Königreich Bayern kommt, was ich anhand des kunstvollen Bärtchens eigentlich hätte wissen sollen.

 

Also nicht alles auf dem Schiff war gastronomisch in Österreichischer Hand, allerdings waren der Küchenchef und der Gastronomiedirektor Österreicher.

Dies war zweifellos nicht schlecht, es ist wirklich prima was alles an kulinarischem geboten wird und in den Menürestaurants war es am Abend sogar möglich, zwischen einem klassischen Menü, einem Menü für Veganer, einem Gesund – Menü und einem mediterranen Menü zu wählen.

 

Innerhalb der Gänge konnte man sogar tauschen, was ich allerdings nie getan habe, weil ich weiß wie das ist, wenn man zur Verwirrung der Mitarbeiter durch Umbestellung etwas beiträgt.

Schade war beim Frühstück, dass wir nicht unsere sehr gute  Faller – Konfitüre aus dem Schwarzwald bekommen haben.

Dies wäre uns natürlich in einem guten Deutschen Hotel nicht passiert!!!

Übrigens wurden wir in den verschiedenen Restaurants von Leuten aus der ganzen Welt bestens bedient.

Türkische Oberkellner aus Antalya waren genau so an Bord und höflich wie Chef de Rangs aus Asien und Nina Galecic aus Serbien, die mein Weinglas nie leer werden ließ.

Großartig war diese Serviceleistung und auch nachträglich noch einmal einen herzlichen Dank an alle dienstbaren Geister.

 

Es gibt ja auch ein Gosch – Restaurant an Bord und dort waren wir mal Mittags und haben  gut gegessen und wurden auch sehr nett bedient.

Im Gosch Büfett kann ich dies allerdings nicht bestätigen. Das Angebot war eigentlich immer dasselbe und da hätte ich wirklich mehr erwartet und die Bediensteten hinter dem Büfett haben auf mich auch meistens keinen motivierten Eindruck gemacht.

 

Nur einmal war dies anders! Vor dem Gosch Büfett war eine schöne Terrasse und da ich an meinem 70er das Glück mit sehr schönem Wetter hatte, habe ich zu meiner Frau gesagt, dass ich da frühstücken möchte.

Siehe da, plötzlich kommt sie daher und sagt, Uli es gibt Kaviar. Nichts wie hin und siehe da, es hat gestimmt.

So durfte ich zu einem frischen Spiegelei verschiedenen Kaviar probieren und nebenan stand ein sehr netter Kellner und hat unterschiedliche Champagner angeboten. Ich habe mich dann für einen vorzüglichen Pommery Rosé entschieden. Einige Getränke sind nicht im Inklusivangebot enthalten, aber die 8 € 50 für das Glas Champagner waren durchaus angemessen.

 

Ich muss überhaupt sagen, dass das Getränkeangebot auf dem Schiff sehr gut war, klar hätte ich einige Badische Weine lieber gesehen, aber wir haben zum Essen immer sehr ordentliche Weine angeboten bekommen.

 

Ich bin ja auch nicht auf mein Schiff 5, um an Wein – Gin – oder Whiskyproben teilzunehmen, sondern wir haben diese Reise gewählt um, zusammen zu sein, etwas zu erleben und das Ambiente zu genießen.

 

Dies alles wurde zu unserer Zufriedenheit erfüllt und ich hoffe, es war nicht das letzte Mal, dass wir eine Schiffsreise gemacht haben.

 

Allerdings soll es für uns etwas Besonderes bleiben und deshalb werden wir unseren nächsten Urlaub wieder mal in einem schönen Hotel oder, ein spezieller Wunsch von mir, auf einer Almhütte verbringen, die mit einem Hotel verbunden ist.

 

Ich hoffe auf noch viele schöne Erlebnisse mit meiner lieben Frau, unserer Familie und vielen lieben Freunden und Bekannten.

 

Uli Lochar im November 2018

 

 

 

Soviel für heute, wird fortgesetzt.



© Hans Ulrich Lochar 2018