Benehmen im Restaurant.


Von einem guten Bekannten von mir habe ich eine längere Mail bekommen, die es mir wert ist, dass ich Auszüge daraus in meiner Homepage veröffentliche und zu den angesprochenen Punkten eine Antwort gebe.

Lieber Uli, am Samstag war ich als Gast bei einem Verein auf einem Ausflug ins Elsass. Den Tagesabschluss bildete ein gemeinsames – sehr gutes – Essen in einem Restaurant in der Heimat. Wir waren etwa 55 Personen. Die drei Bedienungen haben es geschafft, dass alle Gäste etwa gleichzeitig ihre vollen Teller vor sich hatten. Prima!

An „meinem“ Tisch saßen insgesamt sechs Personen, darunter eine etwas schrullige, brummige Junggesellin. Nennen wir sie Brumhilde. Nachdem wir alle die diversen Speisen auf dem Teller hatten, war die Gemüseplatte bald leer. Brumhilde hat daraufhin bei der Bedienung eine weitere Gemüseplatte und auch Soße bestellt. Das Wort „bitte“ ist dabei nicht gefallen.  – Wir haben alle weiter gegessen. Die Soße wurde bald gebracht. Fleisch wurde nachgereicht; die Spätzle haben wir nicht geschafft, es waren zu viele. Schließlich waren unsere Teller leer. Die nachbestellte Gemüseplatte fehlte aber; sie wurde in der Hektik vergessen. Für fünf Leute war dieser Lapsus kein „Hals- und Beinbruch“. Es ist niemand verhungert.

Als es ans Bezahlen ging, sagte Brumhilde – deutlich verärgert, laut und patzig – zur Bedienung: „Danke auch, dass Sie die Gemüseplatte vergessen haben!“

Zunächst herrschte, ob dieser herben, lauten Reklamation  erschrockenes Schweigen am Tisch. Ich jedenfalls habe mich dafür geschämt!

Die Bedienung hat sich bei uns entschuldigt und gesagt, dass ihr das peinlich sei. Die Nörglerin blieb laut.

Mein Beschwichtigungsversuch schlug fehl! Brumhilde bekräftigte, so etwas dürfe nicht passieren, schließlich sei das Essen nicht billig gewesen. Bei diesem teuren Essen müsse man korrekte Bedienung erwarten können.

Als wir aufbrachen, bin ich an die Theke gegangen und habe mich bei der Bedienung für das unflätige Verhalten von Brumhilde entschuldigt und versichert, dass uns dieses wüste Verhalten peinlich gewesen ist. Eine ortsansässige Bedienung hat das mitbekommen und meinte dann: „Die ist bei uns bekannt!“.

In dieser Nacht habe ich schlecht geschlafen, so hat mich dieses böse arrogante Weib aufgeregt.

 

Meine Antwort darauf:

Lieber guter Bekannter, wenn ich Deine Zeilen lese, würde ich Dir raten auf Ausflüge mit solchen Leuten  zu verzichten, oder einige Leute, die Dich aufregen, zu bitten, dass sie künftig zu Hause bleiben.

Nun zu den einzelnen Punkten:

Wenn eine Gemüseplatte nicht serviert wird, sollte man während des Essens so reklamieren, dass sie noch serviert werden kann, also z.B. zu der Bedienung gehen und sagen, dass die Gemüseplatte noch fehlt. Was Frau Brumhilde gemacht hat, macht man einfach nicht!
Die Bedienung vor den Gästen bloßzustellen ist kein guter Stil. Vermutlich ist die Dame aber deshalb so böse, weil sie schon dadurch gereizt ist, dass andere einen Mann haben, sie aber nicht.

Das führt bei manchen Damen zu den verschiedensten Reaktionen.

Ich würde der Dame mal in einem Vier Augen Gespräch sagen, dass Du in Zukunft auf Ausflüge verzichtest, wenn sie sich wieder so benehmen sollte.

Raus mit der Sprache, dann schläft es sich besser.

Also in punkto Gastgeber muss man einfach etwas differenzieren. Eigentlich sollte der Gastgeber bei einer privaten Zusammenkunft schon im Voraus klären, wie serviert werden soll. Wenn jemand z.B. einen runden Geburtstag hat, sieht es natürlich komisch aus, wenn er als Gastgeber zuletzt serviert bekommt, allerdings war es vielleicht sein Wunsch, dass zuerst seine Gäste dran kommen.

Bei Tagungen ist es eigentlich so, dass die Gäste zuerst serviert bekommen und der Veranstalter zuletzt. Hier sollte man den Ablauf aber auch vorher festlegen.
In einem guten Restaurant wird man auch darauf angesprochen.

Bei geschäftlichen Einladungen, lässt normalerweise der Gastgeber erst für die Gäste servieren.

Bei Vereinsessen gelten die Vorstände nicht als besondere Personen.
Dort ist es angemessen, wenn zuerst an den hinteren Tischen und dann in Richtung vordere Tische (also zum Eingang hin) serviert wird.

Es gibt also mehrere Lösungen in dieser Hinsicht!

Für mich wichtig ist, dass dies grundsätzlich im Voraus angesprochen wird.

Fortsetzung folgt.



© Hans Ulrich Lochar 2019