Gastronomische Gedanken.


Wenn ich einen gastronomischen Betrieb besuche, ist es mir vollkommen egal, ob es ein Sternerestaurant oder eine ländliche Gaststätte ist. Ich erwarte auf jeden Fall, dass ich freundlich bedient werde und was Gutes und Frisches zum Essen bekomme. In einem sogenannten Fastfood – Restaurant oder Schnell – Imbiss werden Sie mich auf keinen Fall treffen. Ich mag diese Restaurants einfach nicht und lehne deshalb einen Besuch von solchen von vornherein ab. Am meisten besuche ich natürlich ländliche Gaststätten, weil das auch zu meinem Geldbeutel passt. So ab und zu leiste ich mir aber mit Genussfreunden auch einen Besuch in einem Sternerestaurant. Übrigens unter einem besternten Restaurant verstehe ich ein Restaurant, das einzig und allein vom sogenannten Michelinführer mit einem, zwei – oder 3Sternen ausgezeichnet wurde. Mensch, waren das noch Zeiten als wir hier im Schwarzwald – Baar – Kreis mit dem Wehrle in Triberg und dem Engel in Vöhrenbach Restaurants mit jeweils einem Stern hatten. Leider muss ich sagen hatten! Viele werden sagen, ich brauch kein Sternerestaurant mir, tut es auch eine normale Wirtschaft. Mir ja auch, nur gibt es diese auch immer weniger und das bereitet mir großes Kopfzerbrechen. Die Sternerestaurants locken Gäste von nah und fern an. Dies kann man z.B. in Baiersbronn und seinen Nebenorten feststellen, wo ja mehrere besternte Restaurants zu Hause sind. Sie werden mir Lokalpatrioten doch nicht weiß machen wollen, dass der nördliche Schwarzwald schöner ist als der Südliche Schwarzwald, aber in Baiersbronn und Umgebung überleben auch viele einfache Gaststätten deshalb, weil die Gäste, die in den besternten Restaurants essen, zwischendurch auch mal Lust haben, ganz normale und frische Hausmannskost zu sich zu nehmen.

Das wird generell ein Riesenproblem für den Tourismus im ganzen Schwarzwald werden, weil wir in manchen Orten heutzutage ja gar keine normalen Wirtschaften mehr haben. Genau so ist es in manchen Orten mit einem ordentlichen Kaffee, da muss man ja noch froh sein, wenn ein Großbäcker eine Filiale betreibt und einige Stehtische aufstellt, wo wir dann Kaffee im Stehen trinken dürfen oder sogar einen Coffee to go angeboten bekommen. Das ist ja das allerschlimmste an Kaffeekultur. Den Kaffee im Laufen aus dem Pappbecher genießen – pfui Teufel. Übrigens habe ich gelesen, dass viele Deutsche meinen, dass der am meisten getrunkene Kaffee aus Togo kommt. In Togo erschrecken vermutlich selbst die Ziegen, wenn sie einen Kaffeestrauch sehen. Diese sollen ja den ersten Kaffeestrauch in Äthiopien entdeckt haben.

Wie können wir aber dafür sorgen, dass das Gastronomiesterben und das Sterben der guten Cafés aufhört.  Da gibt es nur eine Antwort, in dem wir hingehen und im Gasthaus  oder Café selbst uns mit gutem Speis und Trank verwöhnen lassen.  Es kann doch nicht sein, dass jeder zweite Gastronom heutzutage auch noch als Caterer auftritt. Was soll das denn? Ich finde es geradezu fürchterlich, wenn ich in einem ungemütlichen Kirchensaal oder sonstigem Vereinsheim zu einer Feier eingeladen werde, vor allem auch aus dem Grund, weil meistens ein Buffet aufgebaut wird. Mich stört dabei nicht, dass die Speisen auf Platten angeboten werden. Wenn diese frisch und sauber zubereitet werden, ist es sogar noch ein schöner Anblick. Mich macht diese fürchterliche Rennerei zum Buffet verrückt. Das ist doch keine Essenskultur mehr und dann muss ich mir noch eine Binde um die Augen machen, damit ich nicht sehe, was manche alles gemeinsam auf ihre Teller machen. Mousse au chocolate zum frischen Lachs  und darüber Hollandaise – Hauptsache man wird satt.

Ich habe gelernt und gelehrt, dass man mit der Kalten Vorspeise anfängt, danach die Suppe isst, dann den Hauptgang und hinterher das Dessert. Fangen wir doch alle wieder einmal an, uns an diese Reihenfolge zu halten, das wäre der erste Schritt zu einer vernünftigen Esskultur.



© Hans Ulrich Lochar 2021