Zu wenig Auszubildende in der Gastronomie?


Meine Meinung zur gastronomischen Ausbildung.

 

Es ist geradezu erschreckend, dass immer mehr junge Menschen sich nicht für einen gastronomischen Beruf entscheiden. In keinem Beruf kann man die ganze Welt kennen lernen, wie mit einem Beruf  in der Gastronomie, nur wissen die jungen Leute dies meistens nicht. Grundsätzlich wird bei den gastronomischen Berufen das Negative immer zuerst in den Vordergrund gestellt. Ich weiß nur zu gut, dass in den Glanzzeiten der Ausbildung sehr viele Fehler gemacht wurden. Diese Glanzzeiten waren die Zeiten der Wende. Was waren das größtenteils für wissbegierige junge Menschen, die aus den sogenannten neuen Bundesländern zu uns kamen. Die meisten haben sich mit Feuereifer in die Arbeit gestürzt und was haben wir daraus gemacht ? Nichts, aber auch rein gar nichts hat die Gastronomie daraus gemacht. Am Anfang habe ich ja noch gedacht, dass man begriffen hat, um was es geht, aber das hat sich leider sehr schnell gelegt. Die ersten Auszubildenden aus den neuen Bundesländern bekamen tatsächlich noch etwas geboten als sie zu uns kamen, Organisationen und Verbände haben kurzfristig für gemeinsame Unternehmungen gesorgt. Vom Schwarzwald- Baar- Kreis wurde damals sogar ein Bus für einen Besuch der Wilhelma in Stuttgart am freien Tag gechartert. Anstatt, dass man aber den wissbegierigen, jungen Menschen die Zutaten auf der Speise – und Getränkekarte beigebracht hat, hat man sie sich einfach selbst überlassen. Eine Wirtin hat mit ihrer Auszubildenden lieber darüber diskutiert, dass sie zu sehr sächselt, als dass sie ihr beigebracht hat, was ein Weißherbst ist und der Gastronom, der mich mal angerufen hat und kritisiert hat, dass ich seine Auszubildenden zum Fremdarbeiten missbraucht hätte, wäre heute vielleicht froh, wenn der Uli Lochar vielleicht mal zu einem Fußball – Länderspiel fahren würde, um im VIP – Bereich zu servieren. Mit solchen Aktionen haben wir damals vom VSR – Schwarzwald- Baar dafür gesorgt, dass die Begeisterung für die Berufe geweckt wurden. Täglich bin ich heute noch mit damaligen Auszubildenden verbunden, die mir immer wieder sagen, dass z.B. die Tätigkeit in Stuttgart beim Tennisturnier ihnen dazu verholfen hätte, Missstände im Ausbildungsbetrieb zu vergessen. Wir haben wirklich mit viel Engagement versucht, den jungen Leuten zu vermitteln, dass der Umgang mit dem Gast etwas fantastisches sein kann. Man muss den jungen Leuten nur helfen, dass sie sich auch dem Gast widmen können. Hierzu gehört in erster Linie eben, dass man sich ausbildet. Versuchen Sie doch bitte mal mit ganz einfachen Dingen die jungen Menschen zu begeistern. Sehr gute Erfahrungen habe ich z.B. mit den Badischen Winzern und dem Badischen Weinbauverband gemacht. Es gibt und gab sehr viele Winzer, die bereit waren, die Klassen von der Landesberufsschule zu empfangen und ihr Wissen weiter zu geben. Ganz wenige Wirte haben dies aber ausgenutzt und die Auszubildenden im Betrieb weitergebildet. Wir haben ihnen mit dem Besuch der Winzer eine Vorlage geliefert und als Antwort eher als ein Dankeschön Kritik dafür bekommen, dass wir mit den Schülern während der Ausbildung in der Gegend herum fahren. Ich freue mich immer wieder, wenn ich von führenden Sommeliers höre, dass die Basis für ihr wirken an der Landesberufsschule für das Hotel – und Gaststättengewerbe in VS – Villingen gelegt wurde, weil es dort Fachlehrer gab und gibt, die sie mit besonderen Aktionen begeistert haben.

Wenn ich daran denke, was meine Kollegen in der Küche auch außerhalb der Unterrichtszeit alles unternommen haben, um die Schönheit des Kochberufes in den Vordergrund zu stellen und wie das teilweise kritisiert wurde, wird mir jetzt noch schlecht.

Ich habe nach meiner Pensionierung mal angeboten, vor jungen Menschen einen Vortrag über Benehmen heutzutage zu halten und im Rahmen des Vortrages zu sagen, dass ich aus der Gastronomie komme. Ich habe hauptsächlich an Abschlussklassen in Realschulen und Gymnasien gedacht. Danach könnten sich dann die Ausbildungsbetriebe vor Ort und die gastronomischen Berufe vorstellen.

Die Reaktion darauf war die, dass mir vom  Landesverband empfohlen wurde, vor Ort mit den Kreisvorsitzenden zu sprechen. Einem habe ich eine größere Mail geschrieben, die nie beantwortet wurde und einem zweiten habe ich meinen Vorschlag persönlich gemacht. Seine Antwort war, ganz tolle Idee, da müssen wir uns mal auf einen Kaffee treffen – darauf warte ich heute noch. Der IHK habe ich vorgeschlagen, dass man jungen Menschen einen Koch präsentieren könnte, der die Ausbildung im Schwarzwald gemacht hat  und inzwischen auf Sylt zwei Sterne erkocht hat. Es schien alles klar zu sein, bis nach Wochen ein Ausbildungsberater dem Koch in einer Mail geschrieben hat, dass man sich anders entschieden hätte. Mir wurde bis zum heutigen Tag keine Erklärung dafür gegeben. Der Koch erobert im Moment übrigens mit seinem Können die Schweiz.

Was soll ich dazu sagen – nichts, mir ist eigentlich die Lust zu helfen, vergangen.

Uli Lochar

 

 

 



© Hans Ulrich Lochar 2021