Eingemachtes Kalbfleisch.


Eingemachtes Kalbfleisch

Seitdem ich pensioniert bin und vieles lese, das das Leben betrifft, komme ich immer mehr zu der Ansicht, dass was war, vorbei ist. Manchmal ist es aber so, dass ich mich auch gerne an früher erinnere. Gestern war wieder einmal so ein Tag und dies hing mit unserem Mittagessen zusammen. Es gab eingemachtes Kalbfleisch mit Reis und Feldsalat und dieses Gericht hat früher meine Mutter ab und zu und sehr gut gekocht. Immer wieder mal habe ich davon erzählt und gestern haben meine Marianne und ich versucht, das Gericht nach zu kochen. Vor allem meiner Frau ist es ausgezeichnet gelungen, ich war ja nur der Handlanger. Geholfen hat uns das Rezept aus Chefkoch de. im Internet, was ich öfters benütze. Dort können auch Sie, liebe Leser, das Rezept nachschauen und ob Sie jetzt das eingemachte Kalbfleisch auf Badische oder Schwäbische Art machen, ist mir vollkommen egal. Mir kommt spontan die Idee, dass ja an einem Samstag z.B. die Wirte in VS – Villingen badisches eingemachtes Kalbfleisch anbieten könnten und am darauffolgenden Wochenende die VS – Schwenninger Wirte das Schwäbische eingemachte Kalbfleisch. Mensch wäre das ein Ding. Im Badischen würde ich natürlich einen Badischen Wein dazu empfehlen wie den Schliengener Gutedel, den wir gestern dazu getrunken haben und im Württembergischen z.B. einen Württemberger Riesling, woher ist mir egal, nur gilt bei beiden Weinen, dass er ehrlich sein muss, also nicht mit Zucker vor der Gärung aufgemotzt, was ich ja immer wieder kritisiere. Ganz wichtig ist natürlich, dass der Wein der zum eingemachten Kalbfleisch angeboten wird, auch bei der Zubereitung reichlich verwendet wird. Das Fleisch sollte auf jeden Fall mit dem entsprechenden Wein abgelöscht werden und wenn die Köchin oder der Koch zwischendurch auch mal einen Schluck nimmt, kann das überhaupt nicht schaden.
Es ist fürchterlich, dass ich während dem Schreiben immer wieder auf so verrückte Ideen komme, aber man darf ja spinnen. Stellen Sie sich mal vor, die verschiedenen weiterführenden Schulen in Villingen – Schwenningen bieten einen Kennenlerntag – oder sogar Wochenende in der schönen Stadt an und die Gaststätten machen als Gericht eingemachtes Kalbfleisch, von mir aus d’Schwenninger mit Spätzle und d’Villinger mit Bandnudeln. Das wäre vielleicht das einzige problematische bei der ganzen Sache. Vermutlich müsste nächtelang darüber verhandelt werden ob Bandnudeln oder Spätzle und natürlich müsste man noch überlegen, ob für die vielen Migranten, die in der Stadt sind, nicht auch Reis angeboten werden könnte. So wie ich Bad Dürrheimer Mineralbrunnen und ihre Repräsentanten kenne, würden sie dafür sorgen, dass überall das tolle Mineralwasser Bad Dürrheimer Légère angeboten wird, damit die Besucher verstehen, warum Bad Dürrheimer Mineralwasser von Uli Lochar als Schwarzwald Champagner bezeichnet wird. So, jetzt habe ich aber kräftig gesponnen. Es wird doch niemand auf die Idee kommen, meine Gedanken aufzugreifen, aber auf das eingemachte Kalbfleisch habe ich hoffentlich Appetit gemacht.



© Hans Ulrich Lochar 2021