Benehmen als Schulfach?


Benehmen als Schulfach?

Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov wünschen 75 % der Deutschen, dass das Fach „ Benehmen“ verpflichtend an den Schulen unterrichtet  wird. Wie kommen 75% überhaupt dazu, so etwas vorzuschlagen, frage ich mich. Dies liegt vermutlich einfach daran, dass immer mehr Eltern erkennen, dass sie gar keine Zeit mehr haben ihren Kindern „ Benehmen“ beizubringen. In welcher Familie wird denn noch regelmäßig zusammen gegessen? Während einem gemeinsamen Essen können die Kinder z.B. ihre Erlebnisse von der Schule erzählen und die Eltern können dazu Stellung nehmen. Natürlich kann man die Kinder zwischendurch auch mal darauf hinweisen, dass man nicht mit vollem Mund spricht, wenn dies der Fall sein sollte. Die Handhabung des Bestecks ist ja auch wunderbar zu erklären und dass während dem Essen und Trinken nicht gerülpst wird, kann auch betont werden. Die Kinder bekommen in einer intakten Familie eigentlich die Grundlagen des Benehmens beigebracht. Ich muss immer wieder an Herrn Prof. Gallwitz von der Polizei – Fachhochschule Villingen – Schwenningen denken, der bei einem Vortrag gesagt hat, dass ein Mensch in den ersten 3 Jahren erzogen bzw. verzogen wird. Nicht nur aus diesem Grunde bin ich der Meinung, dass gerade in den ersten 3 Jahren vor allem die Eltern viel Zeit mit ihren Kinder verbringen sollten. Hier bekommen die Kinder die Grundlagen für das Benehmen. Später in der Schule können dann die Lehrer  weiter am Benehmen arbeiten. Eigentlich müsste dies ja in jedem Fach der Fall sein. Normalerweise lernen junge Menschen in der Schule grundsätzlich wie man miteinander umgehen sollte. Ich durfte vor einiger Zeit an der Schule meines Enkels vor 8jährigen 2 Schulstunden über Benehmen heutzutage sprechen. Es war für mich ein großes Erlebnis. Wunderbar wie die Kinder mitgemacht haben und toll was sie alles bei den Erwachsenen beobachten. Wenn wir als Erwachsene Kinder grüßen, lernen sie es ja von uns. Zum Schluss meiner aktiven Laufbahn an der Berufsschule wurde ja immer mehr Wert auf projektorientierten Unterricht gelegt. Hierin sehe ich eine große Chance für das „ Benehmen heutzutage“. Es kann doch mal zwei Wochen an einer Schule das Thema Benehmen in den Vordergrund gestellt werden und von Lehrern und Schülern in jedem Fach versucht werden, die ganz normalen Benimmregeln im Unterricht umzusetzen.

Selbstverständlich kann man sich auch von außen Hilfe holen. Vielleicht gibt es sogar Eltern, die Lust haben bei dem Projekt mitzuarbeiten.

Im Mai 2016 habe ich einen Vortrag über Benehmen heutzutage aus meiner Sicht vor Schülern des St.Ursula Gymnasiums in VS – Villingen gehalten. Diese Schule hat in Villingen einen sehr guten Ruf und ich freue mich, dass ich vor jungen Menschen in der Stadt sprechen durfte, ich der wir seit vielen Jahren sehr gerne wohnen. Auch hier bekam ich wieder bestätigt, dass es sich lohnt sein Lebenswissen an junge Menschen weiter zu geben und selbstverständlich kommen da auch Dinge zur Sprache, die man im Nachhinein lieber nicht gemacht hätte.

Mir machen solche Vorträge vor jungen Menschen viel Spaß, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich dadurch am so genannten Ball bleibe.



© Hans Ulrich Lochar 2021