Wunderwald und Raskolnikoff

Besondere Menschen – besondere Typen!

 

Wir waren die letzten Tage in Deutschlands Osten unterwegs, weil ich den Geburtsort meines Vaters Görlitz mal besuchen wollte.

 

Irgendwo im Hinterkopf hatte ich, dass mir vor einigen Jahren eine Schülerin über Facebook geschrieben hat, dass ich, wenn ich nach Meißen komme, sie mal besuchen soll.

Jetzt bekomme bei fast 800 Facebook –Freunden mal raus, wer das war und außerdem haben wir so beschäftigte Senioren keine Zeit zum Suchen.

Die schöne Stadt Meißen haben wir besucht und die Albrechtsburg bestiegen und beim vorbei laufen an der Weinschänke Vincenz  Richter habe ich zu meiner Frau Marianne noch gesagt, oh schau mal – sehr schön hier.

 

Wir haben in Zittau, der Partnerstadt von Villingen-Schwenningen Quartier bezogen und natürlich musste ich meinen Facebook – Freunden mitteilen, wo ich bin – man hält sich ja für wichtig!!!!!

 

Kaum ging meine Posterei ins Netz lese ich als Kommentar – und bei mir sind sie nicht vorbei gekommen – Bianca Wunderwald. Ehrlich gesagt hat mich dann das schlechte Gewissen geplagt, weil die Bianca vor Jahren so nett geschrieben hat. Ich wusste, dass wir 3 Tage später in Dresden sind und da habe ich mich dann entschlossen noch einmal nach Meißen zu fahren, um die Bianca zu besuchen.

Meine Frau war einverstanden, weil sie gemerkt hat, dass mir etwas daran liegt und außerdem weiß sie, dass es für mich einfach schön ist, frühere Schülerinnen und Schüler zu besuchen.

 

Bianca wusste wann wir sie besuchen und stand zum vereinbarten Zeitpunkt mit meinem Buch „Lochars Geschichte und Erzählungen“ in der Hand unter der Türe – das war sehr nett und als sie mir gesagt hat, dass sie heute noch der Meinung ist, dass jeder der das Buch liest, die Prüfung als Restaurantfachfrau/mann besteht, war der Lochar natürlich glücklich.

Nette Erinnerungen haben wir ausgetauscht und Bianca ist nach beeindruckenden Stationen in Deutschland und Liechtenstein wieder nach Meißen zurückgekehrt und heute als Restaurantleiterin in der Weinschänke Vincenz Richter  in Meißen tätig.

Dort erlebt man bei sehr guten Speisen und Weinen vom Weingut Richter eine junge Dame, die ihr Handwerk versteht und wenn diese dann ihrem einstigen Fachlehrer noch sagt, dass sie durch ihn die Begeisterung für das Arbeiten am Gast bekommen hätte, ist dieser natürlich im 7. Himmel.

Herzlichen Dank liebe Bianca Wunderwald für die nette Gastfreundschaft im Vincenz Richter in Meißen.

 

Auf unserer letzten Reise ins Piemont war der „Lichtschreiber“ dabei. Michael Schreiber kenne ich von Villingen und inzwischen ist er in Dresden tätig. Er hat einen wunderbaren Bildband über den Bäcker Waldkircher in Schwarz – Weiß vor Jahren heraus gebracht und daher kannte ich ihn.

Im Frühjahr war er bei unserer Piemont – Reise dabei und da hat es sich ergeben, dass wir ihm gesagt haben, dass wir demnächst in Dresden sind.

Menschenskind war dies ein großes Glück!

Michael Schreiber hat uns an einem Tag Dresden gezeigt, wie es sicher nicht sehr viele sehen.

Großartig was wir alles dank ihm sehen durften.

 

Der Höhepunkt war der Besuch im RASKOLNIKOFF.

Was ist das denn habe ich mir gedacht?

Er hat mir gesagt, dass ein Badener das RASKOLNIKOFF betreibt und sowohl er als auch das Lokal etwas ganz besonderes sei.

Bei der Fassade habe ich gedacht, Mensch wo führt er uns denn hin, aber dann sind wir durch das Lokal in den Garten gekommen und in diesem war kein einziger Stuhl frei.

Ja, es war sogar so, dass Leute auf Sitzkissen an der Hauswand saßen und darauf gewartet haben, bis ein Tisch frei wurde.

 

Wir waren schon um 18 Uhr da, weil wir eben im sogenannten „Wohnzimmer“ noch mit dem Badener verabredet waren.

Und dann stand dieser „großartige Badische Typ“ vor uns. Ich schreibe so etwas nicht einfach nur so, sondern nach 2 Stunden bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass wir hier einen ganz besonderen Gastronomen kennengelernt haben.

Gelernt im Goldenen Knopf in Säckingen, Küchenmeister vor der IHK Schwarzwald – Baar – Heuberg gemacht, studiert an der TH Dresden, Buchautor und noch vieles mehr steht im Lebenslauf dieses „Hotzenwälders“.

Michael Schreiber hat ihn vor Jahren durch Zufall kennen gelernt und führt seitdem jeden Dresdenbesucher zu ihm. Es stimmt, man muss Ralf Hiener und seine Mannschaft im RASKOLNIKOFF  in der Böhmischen Straße 34 in 01099 Dresden besuchen, um sagen zu können, gastronomisch habe ich etwas Außergewöhnliches in Dresden kennen gelernt.

 

Ralf Hiener beschäftigt 30 Leute und begeistert diese genauso mit seiner Art wie seine Gäste mit dieser und seiner außergewöhnlichen Kochkunst. Nicht umsonst ist auch der Feinschmecker auf ihn aufmerksam geworden.

 

Ich empfehle jedem einmal im RASKOLNIKOFF bei Ralf Hiener vorbei zu gehen um festzustellen, dass es Mitten im Stadtteil Neustadt eine ganz besondere Kneipe in Dresden gibt.

Meine Frau Marianne und ich waren begeistert und Michael Schreiber sehr dankbar, dass er uns zu Ralf geführt hat.

 

Nach diesem beeindruckenden Tag haben wir besonders gut im Hotel HYPERION – Hotel Dresden am Schloss – geschlafen, wo wir Dank unserem Schwiegersohn Jörg Lindenau eine Nacht in Dresden verbringen durften.

 

 

Uli Lochar 15. Juni 2019

Freiburger Markterlebnis

Originale sind etwas ganz wertvolles.

 

Vergangene Woche waren wir wieder einmal auf dem Freiburger Markt.

Unsere Tochter  Sabine war mit der Familie zu Besuch und da haben wir alle einen Ausflug unternommen.

Freiburg war unser erstes Ziel und da geht es dann gleich in Richtung Münsterplatz, um den Markt zu besuchen. Es ist einfach ein besonderer Markt, dies haben auch meine Enkel Benedikt und Jonathan festgestellt, die auch von den Spielzeugständen bei der Alten Wache – dem Haus der Badischen Weine – begeistert waren.

 

Natürlich haben wir auch das beeindruckende Münster gezeigt. Irgendwie war es dunkler als sonst, aber dadurch kamen besonders die Fenster sehr gut zur Geltung.

 

Wir sind dann in Richtung hinterer Münstermarkt gegangen und natürlich war dort dann traditionell eine „Freiburger Rote“ angesagt.

 

Ich ahnungsloser bin dann Richtung Hassler Stand gelaufen und wollte schon 6  „Freiburger Rote“  bestellen als der Ruf kam, wir wollen die Wurst von Meier. Sabine hat ihre Lehrzeit in Freiburg verbracht und irgendwie müssen viele Freiburger der Meinung sein – Rote isst man bei Meier.

Wir haben dann mit Hochgenuss Meiers Rote mit oder ohne Zwiebel verspeist  und dabei konnte ich feststellen, dass bei Meier wesentlich mehr los war als bei Hassler, obwohl die sich auch mit viel Freundlichkeit um Kunden bemüht haben.

Ehrlich gesagt, hat mir der Hassler Stand irgendwie Leidgetan.

Vielleicht ist es ja manchmal anders, aber generell ist es einfach ein Erlebnis auf dem Freiburger Münsterplatz eine „Rote“ zu essen.

Für mich ist das so etwas wie „Kult“.

 

Der Höhepunkt des Marktbesuches kam aber dann bei einem Marktbeschicker von Schallstadt – Familie Danner Im Zinken 1,

79227 Schallststadt  Obst, Gemüse, Brot stand auf dem schönen Holzschild.

Wir haben bei ihm Rhabarber gesehen und er hat uns auch sofort angesprochen und jedem eine seiner feinen Erdbeeren angeboten.

Eigentlich wollten wir ja nur Rhabarber aber die Erdbeeren waren besser als die, die wir gekauft hatten und der ältere Herr Danner  aus Schallstadt hat uns mit seiner Art so begeistert, dass ich auch noch Büchsenwurst, Honig und Brot bei ihm gekauft habe.

Zack, schon hatte er die Schnapsflasche in der Hand und hat uns Männern e selber brenntes Schnäpsle angeboten, den Damen einen Erdbeerlikör und unseren Enkel eine Schale Erdbeeren. Das hat uns animiert noch mehr bei ihm zu kaufen.

 

Menschenskind noch mal ich habe schon einige Verkaufsseminare erlebt, aber was Herr Danner us Schallstadt in schönstem „Markgräflerisch“  an Verkaufstechniken bietet ist einfach fantastisch.

Er geht schon über 60 Jahre täglich auf den Markt nach Freiburg und hat bestimmt schon viele Leute mit seiner Originalität begeistert.

 

Für mich ist es ein Hochgenuss solche „Originale“ zu erleben und ich kann nur jedem bei einem Besuch des Freiburger Marktes mal empfehlen, bei der Familie Danner vorbei zu gehen.

 

Wenn Herr Danner sen. dies eventuell zu lesen bekommen wird, wird er vermutlich sagen – i bin kein Herr, sondern en Landwirt – Bur us Schallstadt.

 

 

Uli Lochar

Vom Kellner zum Fachlehrer!

Gelernter Kellner

 

Ich bin gelernter Kellner, wenn auch nur auf dem 2. Bildungsweg über einen Kurs der IHK an der Landesberufsschule in Villingen.

 

Zuerst habe ich in einem Parfümerie – Kosmetiksalon Einzelhandelskaufmann gelernt – was man heute noch sieht – so habe ich es oft meinen Schülern gesagt.

 

Nach einem Kellnerpraktikum habe ich in einem Anfall von geistiger Umnachtung gemeint, ich müsste mich in meinem Heimatort Schönau selbstständig machen und habe dies mit gerade mal zwanzig Jahren getan – eigentlich unverantwortlich auch von denen, die mich dazu animiert haben.

Es waren zwei tolle Jahre, die ich vor allem deshalb in Erinnerung habe, weil ich mich an tolle Stunden erinnern kann. Erst neulich hat einer der ehemaligen Gäste zu mir gesagt:

Uli ich gebe Dir einen Tausender, wenn Du noch einmal ein Wochenende in der Kaiserklause aufmachst – natürlich war dies im Spaß gemeint.

 

Nach zwei Jahren habe ich gemerkt, dass ich genau so viele Schulden hatte, wie am Anfang, habe die Reißleine gezogen und bin als Kellner auf den Belchen ins Hotel Belchenhaus zu Familie Ritz gegangen.

 

Ein Sommer mit im Schnitt mindestens 10 Bussen am Tag haben mich schlanker werden lassen und die Schulden wurden auch weniger.

Ich wollte da auch mal ins Ausland gehen, aber die Bank lies mich nicht gehen.

 

Der Wiedener Eck – Wirt Egon Wissler hat mich dann zu sich auf das Wiedener Eck geholt und mir mit Rat und Tat geholfen und ich habe mich zum Oberkellner hochgearbeitet. Gott sei Dank habe ich da auch meine spätere Frau Marianne kennengelernt.

 

Wir haben geheiratet und während sie hochschwanger war, wurde ich krebskrank. Hautkrebs wurde in Freiburg in der Hautklinik diagnostiziert und ich wurde sehr gut von Professor Petres operiert, danach chemotherapeutisch wochenlang betreut und als mein fachlich hervorragender Nachfolger ( wurde mir gesagt) auf dem Wiedener Eck plötzlich ein Auto gestohlen hat und abgehauen ist, hat Egon Wissler zu mir gesagt, komm doch wenigstens ab und zu zur Aufsicht und wenn Du nur auf dem Stuhl sitzt und zuschaust.

 

Ich war natürlich sehr angeschlagen, aber es musste ja irgendwie weiter gehen und ich hatte auch durch die Geburt unserer Tochter Sabine einen großen Lebenswillen.

 

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich dank der Krebserkrankung meinen weiteren Weg aufgezeichnet bekam. Dem lieben Gott sei Dank.

 

Mein Gesundheitszustand ließ es aber zu, dass es immer mehr wurde mit der Tätigkeit und irgendwann war ich voll belastbar.

 

Immer wieder habe ich erlebt, dass die Auszubildenden von der Landesberufsschule in VS – Villingen zurück kamen und mir von dem Unterricht berichtet haben.

 

In meinem Kopf kam dann die Idee auf, den Kellner nachzumachen, weil ich mir auch davon etwas für die Zukunft versprochen hatte.

Durch die IHK Schwarzwald – Baar – Heuberg gab es damals die Gelegenheit für Leute, die schon lange im Beruf waren nach einer 6 wöchigen Schulzeit die Prüfung als Koch oder Kellner abzulegen.

Diesen so genannten 40/2 Kurs habe ich mit tollen Schulkameraden und netten Lehrern mitgemacht und irgendwann hat tatsächlich ein Lehrer zu mir gesagt, Mensch sie wären ein Lehrertyp.

 

Was muss ich dafür tun um Fachlehrer zu werden?

Den Serviermeister bei der IHK in Baden- Baden machen  war die Antwort und das hat mich so gereizt, dass ich mich sofort nach der Prüfung in Villingen für den Meisterkurs in Baden- Baden angemeldet habe.

 

Mit wiederum netten Mitschülern und ebensolchen Dozenten habe ich tatsächlich die Serviermeisterprüfung 1982 bestanden.

 

Kurz vor der Prüfung bekam ein Dozent einen Anruf von Klaus Dieter Wildpreth, dem damaligen stellvertretenden Schulleiter der Landesberufsschule VS – Villingen mit der Frage, ob einer der zukünftigen Serviermeister Lust hätte an der Landesberufsschule als Fachlehrer zu arbeiten.

 

Ich habe noch Kontakte nach Villingen gehabt und vor allem dank meinem späteren Kollegen Karl Windhaber und dem damaligen Personalratsmitglied und Lehrer von mir Wolfgang Lämmle, haben die mich tatsächlich genommen, obwohl ja die berufliche Laufbahn im Gaststättengewerbe nicht unbedingt berauschend war.

 

Ich habe dieses Entgegenkommen mit viel Engagement an der Landesberufsschule zurück bezahlt und durfte als Fachlehrer fast 30 Jahre einen Beruf ausüben, der mich fasziniert hat.

 

Junge Menschen auszubilden und wenn möglich zu begeistern, war für mich das „Größte“.

 

Eigentlich wollte ich etwas zu den heutigen Angeboten für junge Menschen in der Gastronomie schreiben, aber dies spare ich mir für später auf.

 

Uli Lochar

Das Biosphärengebiet Schwarzwald!

Eine herrliche Landschaft!

 

Ich kann ja nicht leugnen, dass mir die Landschaft des Südschwarzwaldes besonders am Herzen liegt.

 

Ich bin in Schönau im Wiesental geboren und das betrachte ich auch heute noch als meine „ Heimat“.

Meine Frau kommt aus Wieden und diese Gemeinde gehört ja auch zum Verwaltungsverband Schönau.

 

 

Vor einigen Jahren habe ich dann mitbekommen, dass in der herrlichen Landschaft des Südschwarzwaldes ein Biosphärengebiet geplant ist.

Ehrlich gesagt, konnte ich mit diesem Begriff nichts anfangen aber ich stand der Idee von Anfang an positiv gegenüber und jetzt ist es für mich an der Zeit einfach mal danke zu sagen an alle, die sich um die Erhaltung der herrlichen Landschaft des Südschwarzwaldes kümmern.

 

Mein 90jähriger Schwiegervater aus Wieden – Laitenbach , Karl Gutmann, sagt mir bei fast jedem Besuch:

„Früher hen mir viel mehr Bächli ka“ also auf deutsch übersetzt , es gab viel mehr kleine Bäche.

Dies ist für mich ein Beweis, dass auch bei uns die Erderwärmung Einzug gehalten hat.

Er hat auch bemängelt, dass überall alles zuwächst und es immer weniger Weideland für die Hinterwälder Kühe gibt.

 

 

Siehe da, eines Tages bekam ich mit, wie von dem gegründeten Biosphärengebiet eine Fläche in Ungend – Wieden wieder freigelegt wurde, um sie für die Hinterwälder als Weidelandschaft zu nutzen.

Sehr schön anzusehen ist es, wenn die Hinterwälder  auf den Weiden in ca. 800 m grasen und ihren Hunger mit Gras stillen, das auch sehr viele Kräuter enthält. Man merkt dies bei der Milch und ganz besonders auch beim Fleisch. Es gibt für mich nichts besseres!

Bemerkenswert finde ich auch, wie die Dorfgemeinschaft in Wieden seit Jahren etwas für die Populärität der Hinterwälder Rindviecher tut und jedes Jahr einen Almauftrieb anbietet.

 

Auch dieses Jahr findet der Viehauftrieb wieder statt und ich mache auf diesem Weg gerne darauf aufmerksam.

 

Wiedener Viehauftrieb, ein besonderes Fest mit den „Original Finstergrundmusikanten“

Die Wiedener Bauern, in Zusammenarbeit mit der „Bergwacht Schwarzwald“, Ortsgruppe Wieden, laden zu diesem schönen Brauchtumstag ein. An diesem Tag werden die Jungrinder auf die Sommerweide getrieben. Die Bergwacht Wieden verwöhnt dabei in gewohnter Weise das Publikum, mit heimischen Produkten.

Der Termin ist am Samstag, 25. Mai 2019

Start um 13 Uhr im Ortskern von Wieden.

 

Immer wieder lese ich auch etwas von den Aktivitäten der Geschäftsstelle des Biosphärengebietes Schwarzwald in der von mir sehr geschätzten Badischen Zeitung, wenn wir unsere Schwiegereltern in Wieden besuchen.

 

Mir imponiert einfach, dass da Gemeinden, Landwirte, viele regionale Betriebe und die heimische Gastronomie gemeinsam versuchen etwas für die Landschaft des Südschwarzwaldes zu machen.

In diesem Zusammenhang entnehme ich der Badischen Zeitung folgende Zeilen:

 

Zehn Gasthäuser nehmen an Hinterwälder-Wochen teil

 

Jährliche Hinterwälder-Wochen der Gastronomie im Biosphärengebiet sollen die Nachfrage nun ankurbeln und auf das gute, regionale Fleisch aufmerksam machen. Gemeinsam mit zehn Gastronomen und dem Hinterwälder Förderverein, der die Landwirtschaft vertritt, plant die Geschäftsstelle derzeit die Aktionswochen.

 

In der Zeit vom 5. bis zum 19. Oktober 2019 wird jedes der zehn Gasthäuser mindestens drei Gerichte vom Hinterwälder Rind auf der Karte haben. Dabei soll möglichst das ganze Tier verarbeitet werden. In der Vorbereitung wird sich ein Koordinator um die Auswahl geeigneter Tiere, die Schlachtung und den Transport zu den Gasthöfen kümmern.

Erstmals werden die Hinterwälder-Gastronomen am 26. Mai auf dem Biosphärenfest in Todtnau gemeinsam auftreten.

 

Das ist doch toll, dass so etwas angeboten wird und ich hoffe, dass ich auch mal in den Genuss des Hinterwälder Fleisches in einem der teilnehmenden Betriebe komme und es wäre natürlich sehr schön, wenn bei dem Biosphärenfest in Todtnau der Wettergott mitspielen würde.

 

Um zu verstehen, was das Biosphärengebiet ist, habe ich den früheren Bürgermeister von Schönau Bernhard Seger angeschrieben und um Informationen gebeten. Ich glaube, dass ich sagen darf, dass wir seit unserer Jugend miteinander freundschaftlich verbunden sind und ich den Bernhard schon immer als Hüter der heimischen Landschaft und Natur geschätzt habe.

 

Im Rahmen unseres Gedankenaustausches über das Biosphärengebiet hat er mir einen Vortrag zukommen lassen, den er 2014 anlässlich der Zukunftswerkstatt in Höchenschwand über das Biosphärengebiet gehalten hat. Der Vortrag gefällt mir so gut, dass ich Bernhard Seger gefragt habe, ob ich ihn in meinem Internetblock veröffentlichen darf.

 

Die Genehmigung habe ich bekommen und deshalb empfehle ich allen, die mehr über das Biosphärengebiet erfahren wollen, ihn unter

Bernhard Seger und das Biosphärengebiet Schwarzwald

auf meiner Internetseite www.uli-lochar.de zu lesen.

 

Die Leser dieser Zeilen können vielleicht erkennen, dass mir meine Heimat die Stadt Schönau, das Wiesental, das Belchenland und der ganze Südschwarzwald sehr am Herzen liegen.

 

Aus diesem Grunde möchte ich mich bei allen, die sich für das Biosphärengebiet Schwarzwald einsetzen mit meinen Zeilen auf diesem Weg für die Erhaltung der herrlichen Landschaft des Schwarzwaldes bedanken.

 

Hans Ulrich – Uli – Lochar

 

Bernhard Seger und das Biosphärengebiet Schwarzwald.

Der ehemalige Bürgermeister von Schönau Bernhard Seger hat 2014 anlässlich der Zukunftswerkstatt in Höchenschwand einen Vortrag über das Biosphärengebiet Schwarzwald gehalten, den ich für sehr bemerkenswert halte und ihn deshalb gerne nachfolgend in meinem Internetblock veröffentliche.

Verehrte Gäste,

„Wie kamen wir eigentlich auf die Idee, ein Biosphärengebiet zu wollen?“

 

Darüber, und was ich mit einem Biosphärengebiet verbinde, möchte ich Ihnen berichten.

 

Vor 13 Jahren wurde der Zweckverband „Naturschutzgroßprojekt Feldberg-Belchen-Oberes Wiesental“ gegründet. Was war der Anlass?

Vielerorts hatte sich das Landschaftsbild nachteilig verändert, Weidfelder waren der Sukzession überlassen und in den Wäldern war die Jungwuchspflege und die Durchforstung aus finanziellen Gründen hinausgeschoben worden. Es bestand Handlungsbedarf, deren Kosten die Gemeinden damals überforderte.

 

Die Skepsis und die Zweifel waren auch bei der Gründung dieses Verbandes groß über die neue „Käseglocke“, wie das Großprojekt von den Kritikern genannt wurde. Und wie heute waren u.a. die Kosten der Verwaltung und der Planung „heiße“ Diskussionspunkte.

 

In das Großprojekt wurden während seiner 10-jährigen Laufzeit rd. 6 Mio. € investiert, davon waren 90 % Fördermittel des Bundes und des Landes. „Ein erfolgreiches, vorbildliches Förderprojekt“, „positiv für das Landschaftsbild“ – so wurde das Projekt am Ende von den Beteiligten beurteilt. Auch das „LIFE-Projekt Oberer Hotzenwald“ mit 1,7 Mio. € Fördervolumen wurde ähnlich bewertet. Dazu ist zu bemerken: Dies waren reine Naturschutzprojekte und trotzdem keine Käseglocken.

 

Doch aus beiden Projekten erwuchs eine nennenswerte regionalwirtschaftliche und strukturpolitische Bedeutung; die beteiligten Unternehmen und die örtliche Land- und Forstwirtschaft profitierten davon. Die Projekte trugen dazu bei, dass z.B. landschaftsprägende Weidfelder durch Landwirte weiter bewirtschaftet werden können. Wald- und Weideflächen wurden naturschutzfachlich verbessert. Und es wurde mit erreicht, dass die Landschaft offen gehalten wird, was nicht nur naturschutzrelevant ist, sondern was sich äußerst positiv auf das Landschaftsbild auswirkt und damit auch dem Tourismus nützt.

Auch das Bewusstsein für den Umwelt- und Naturschutz wurde bei allen Akteuren geschärft. So habe ich das Gefühl, dass die betroffenen Landwirte in diesen Projektgebieten heute anders „ticken“ als ihre Kollegen, die nicht von diesen Förderprojekten profitierten.

 

 

Doch wie geht es weiter?

Wie können die im Großprojekt erzielten Erfolge erhalten bleiben, denn die 7,7 Mio. € Projektkosten sollen ja nicht für die „Katz“ gewesen sein? Und wie können diese positiven Ergebnisse auf die gesamte Region, auch außerhalb der Schutzgebiete, übertragen werden?

Aus dieser Sorge über die künftige Entwicklung wurde die Idee eines Biosphärengebietes geboren.

 

Und nun diskutieren wir seit 4 Jahren über diese Idee. Doch wenn ich sehe, dass in dieser Diskussion das Biosphärengebiet fast nur unter den Aspekten „Naturschutz, Landwirtschaft und Forstwirtschaft“ gesehen wird, dann geht das m.E. wesentlich an unseren damaligen Vorstellungen und am Thema vorbei. Denn ein Biosphärengebiet ist mehr. Ein Biosphärengebiet ist mehr als ein Schutzgebiet. Im Grunde geht es nämlich darum, eine Antwort zu finden auf eine ganz wichtige Frage über die Zukunft unserer ländlich geprägten Region:

 

Wie können wir unseren Lebensraum für zukünftige Generationen erhalten?

 

Wir benötigen eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, ohne unsere Natur aufs Spiel zu setzen.

Denn Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung sind keine Gegensätze, sondern sie lassen sich im Biosphärengebiet bestens verbinden, um die Gemeinden in der Region für die Zukunft fit zu machen.

 

 

Sie werden fragen:

Brauchen wir überhaupt ein Rezept für diese Regionalentwicklung?

 

Ich meine ja, und sehe dabei primär die demografische Entwicklung: Geburtenrückgang, Wanderungsverluste und eine Alterspyramide, die eher einen „Alterspilz“ darstellt.

–        Wie entwickeln sich unsere Siedlungen mit zahlreichen leerstehenden oder fast leerstehenden Gebäuden?

–        Und wie ist die gemeindliche Infrastruktur künftig noch ausgelastet?

Ich denke auch an Fragen einer möglichen regionalen Energieversorgung, und welche Auswirkungen ein Klimawandel auf Land- und Forstwirtschaft haben wird.

 

Ein Biosphärengebiet könnte ein Netzwerk aller Interessengruppen schaffen (Bewohner, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Gewerbe). Ein Netzwerk, über das seit Jahren immer nur geredet wird (ich denke z.B. an ein Thema wie „Vermarktung der regionalen Produkte“), aber es fehlt der „Kümmerer“. Und diese „Kümmererfunktion“ wäre eine wichtige Aufgabe des Biosphärengebietes, nämlich

–        Die regionale Wertschöpfung zu stärken und dabei die natürlichen Besonderheiten der Region zu erhalten,

–        und eine Identität der Region zu schaffen.

 

Im Biosphärengebiet ginge es auch um die Sicherung der vorhandenen Arbeitsplätze, damit die Nebenerwerbslandwirte in der Nähe Arbeit finden. Diese bewirtschaften Weidfelder und sorgen für die nachhaltige Pflege der Landschaft, was wiederum Voraussetzung für eine touristische Entwicklung ist.

Kurz gesagt: Ohne gewerbliche Arbeitsplätze keine Landwirte, ohne Landwirte keine schöne Landschaft und ohne diese kein Anreiz im Tourismus – ein Kreislauf!

 

Ein Schwerpunkt im Biosphärengebiet wäre die Stärkung der einheimischen Wirtschaft, denn ein attraktives Wohnumfeld im Südschwarzwald wird ein zunehmendes Gewicht bei der Anwerbung von Fachkräften besitzen.

 

 

„Wir brauchen nicht noch mehr Naturschutz!“

So ähnlich lautet die Redensart in der Diskussion.

 

Ich meine: Noch mehr Naturschutz, wie wir bereits haben, geht eigentlich gar nicht. In FFH-, Vogelschutz-, Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten und weiteren Biotopen ist derzeit alles geschützt und geregelt. Und ich glaube auch, dass die Landwirtschaft in den Höhenlagen bereits seit Jahren wertvolle Naturschutzarbeit leistet. Doch merkt sie es nicht, oder will sie es nicht wissen, denn warum werden die Belange des Naturschutzes oft als Feindbild gesehen?

 

 

„Wieviel Geld bekomme ich im Biosphärengebiet?“, wird oft gefragt.

 

 

Natürlich ist diese Frage m.E. erlaubt, doch unsere nachkommenden Generationen werden nicht fragen, „wieviel Geld bekomme ich?“, sondern „ist diese Heimat und dieses Umfeld, das mir meine Vorfahren hinterlassen haben, überhaupt noch interessant und lebenswert?“

 

In der Diskussion ums Biosphärengebiet ist auch die Rede von enormen finanziellen Einbußen, welche die Gemeinden durch die Ausweisung von Kernzonen erleiden. So habe ich einem Zeitungsartikel entnommen, dass nach Aussage der Forstbehörde eine Gemeinde im Wiesental jährlich auf 10.000 € Gewinn verzichten würde, wenn sie eine 27 ha große Waldfläche als Kernzone ausweist. Mir scheint, dass etwas mehr Sachlichkeit gefragt wäre. Oder sind unsere Wälder mit diesem „Biosphärengebiets-Thema“ plötzlich zu Goldgruben geworden?

Meine Damen und Herren,

Sie werden sagen, der Bernhard Seger hat ja gut reden: Er ist jetzt Pensionär und ist vermutlich zeitlebens auf einem Bürostuhl gesessen. Und er hat keine Ahnung, vor allen Dingen keine Ahnung von der Landwirtschaft.

So ähnlich hat sich ein maßgeblicher hauptamtlicher Bauernfunktionär mir gegenüber auch einmal ausgedrückt. Doch auf meinen Brief hin hat er sich nicht mehr geäußert.

Ich bin in einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb aufgewachsen, ich habe dort mitgearbeitet und in meinen ersten 25 Lebensjahren noch viele landwirtschaftliche Tätigkeiten in Handarbeit verrichtet. Ich habe in den 50er-Jahren die beginnende maschinelle Bewirtschaftung der Flächen erlebt und damals meinen Vater wegen seiner „altmodischen“ Denkweise  und nachhaltigen Wirtschaftsweise belächelt. Heute muss ich gestehen: Er hatte weitgehend recht.

Darum glaube ich Ahnung und etwas praktische Erfahrung zu haben,  bestimmt so

viel wie der vorgenannte Bauernfunktionär an seinem Schreibtisch.

 

 

Ein Biosphärengebiet wäre natürlich eine Herausforderung für alle Akteure.

 

Bisher sind wir es gewohnt, dass schlaue Beamte in den Ministerien und andere Experten Programme erfinden, nach denen das Geld (möglichst aus Gießkannen) verteilt wird.

Jedoch, in einem Biosphärengebiet müssten die hier wohnenden und wirtschaftenden Menschen sich selber Gedanken machen, wie die Zukunft aussehen soll und welche Projekte dazu sinnvoll sind. Das kann oder wird für jede Gemeinde unterschiedlich sein.

Darum wäre das Biosphärengebiet kein Programm sondern ein fortlaufender Prozess, der

–        sich an den Menschen und am Prinzip orientiert, „unsere Natur zu nutzen, ohne ihr zu schaden“,

–        und der die Belange der Bevölkerung, der Wirtschaft und des Naturschutzes in Einklang bringt.

 

In diesem Sinne schließe ich mit einem Zitat von Richard von Weizsäcker:

„Lassen Sie uns alles daransetzen, dass wir der nächsten Generation, den Kindern von heute, eine Welt hinterlassen, die ihnen nicht nur den nötigen Lebensraum bietet, sondern auch die Umwelt, die das Leben erlaubt und lebenswert macht.“

 

Bernhard Seger

 


© Hans Ulrich Lochar 2019